NICCOLÒ MACHIAVELLI

DER FÜRST

BORDFASSUNG · TEIL III – KAPITEL X–XII

NICCOLÒ MACHIAVELLI

DER FÜRST

Kapitel X · Wie die Stärke aller Fürstentümer zu messen ist

Bei der Beurteilung eines Fürstentums muss noch etwas anderes berücksichtigt werden.

Kann ein Fürst sich im Notfall aus eigener Kraft behaupten?

Oder ist er immer auf den Schutz anderer angewiesen?

Mit eigener Kraft behaupten können sich nach meinem Urteil diejenigen, die genügend Menschen oder genügend Geld besitzen, um ein angemessenes Heer aufzustellen und jedem Gegner, der sie angreift, in offener Schlacht entgegenzutreten.

Auf andere angewiesen sind dagegen diejenigen, die dem Feind nicht auf dem Schlachtfeld begegnen können, sondern sich hinter ihre Mauern zurückziehen und diese verteidigen müssen.

Über den ersten Fall haben wir bereits gesprochen und werden später noch darauf zurückkommen.

Betrachten wir also den zweiten.


Der Bordcomputer hält kurz an.

Machiavelli hat soeben eine ziemlich brauchbare Definition politischer Selbstständigkeit geliefert:

Was kannst du noch tun, wenn dir niemand hilft?

Nicht:

Wie reich wirkst du?

Wie groß ist dein Gebiet?

Wie eindrucksvoll ist dein Titel?

Sondern:

Was geschieht, wenn tatsächlich jemand vor der Tür steht?

Für Machiavelli gibt es zunächst zwei Arten von Fürstentümern.

Die einen können hinausgehen und kämpfen.

Die anderen müssen die Tür zumachen.

Kapitel X handelt von den zweiten.

Und Machiavelli hält sie keineswegs automatisch für verloren.


Für solche Fürsten kann man kaum etwas anderes empfehlen, als ihre eigene Stadt gut zu befestigen und sich um das umliegende Land nicht weiter zu kümmern.

Wer seine Stadt stark befestigt hat und seine Untertanen so behandelt, wie ich es bereits beschrieben habe und noch beschreiben werde, den wird man nur mit großer Vorsicht angreifen.

Denn Menschen beginnen nur ungern Unternehmungen, bei denen sie große Schwierigkeiten erwarten.

Und leicht kann ein Angriff auf einen Fürsten nicht erscheinen, dessen Stadt stark befestigt ist und der von seinem Volk nicht gehasst wird.

Da ist sie wieder.

Unsere alte Akte.

DAS VOLK.

Kapitel IX endete praktisch mit der Erkenntnis, dass ein Fürst die Bevölkerung braucht.

Kapitel X ergänzt:

Mauern sind nützlich.

Aber Mauern plus eine Bevölkerung, die dich hasst, ergeben noch keine besonders beruhigende Verteidigungsanlage.

Machiavelli denkt militärische und politische Stabilität zusammen.

Befestigung außen.

Bindung innen.

Der Bordcomputer notiert:

Eine Stadtmauer hat zwei Seiten.

Das scheint politisch relevant zu sein.


Die Städte Deutschlands besitzen große Freiheit.

Sie haben nur wenig Land um sich herum.

Dem Kaiser gehorchen sie, wenn es ihnen gefällt, und weder ihn noch andere mächtige Nachbarn fürchten sie.

Denn ihre Städte sind so befestigt, dass jeder ihre Eroberung für langwierig und schwierig halten muss.

Sie besitzen geeignete Gräben und Mauern. Sie verfügen über genügend Artillerie. Und in ihren öffentlichen Vorratshäusern halten sie stets genug zu essen, zu trinken und zu heizen für ein ganzes Jahr bereit.

Außerdem sorgen sie dafür, dass das einfache Volk ein Jahr lang beschäftigt und ernährt werden kann, ohne dass dadurch die öffentlichen Vorräte erschöpft werden.

Dafür halten sie genügend Arbeit bereit in jenen Gewerben, von denen das Leben und die Stärke der Stadt abhängen und von deren Tätigkeit das Volk lebt.

Auch militärische Übungen genießen bei ihnen hohes Ansehen.

Und sie besitzen zahlreiche Ordnungen, um sie aufrechtzuerhalten.


Das ist interessant.

Denn Machiavellis Festung besteht plötzlich aus sehr viel mehr als Stein.

Wir haben:

Mauern.

Gräben.

Artillerie.

Lebensmittel.

Brennstoff.

Arbeit.

Handwerk.

Militärische Ausbildung.

Organisation.

Und erst die Gesamtheit dieser Dinge macht die Stadt widerstandsfähig.

Eine Festung ist für Machiavelli offenbar nicht bloß Architektur.

Sie ist ein System.

Menschen müssen essen. Menschen müssen sich wärmen. Menschen brauchen Beschäftigung. Waffen müssen vorhanden sein. Verteidigung muss geübt werden. Vorräte müssen angelegt sein, bevor jemand vor der Stadt steht.

Machiavelli beschreibt Resilienz.

Er benutzt dieses Wort nicht.

Aber das Prinzip ist ziemlich eindeutig:

Eine Krise gewinnt man zum Teil, bevor sie begonnen hat.


Ein Fürst also, der eine starke Stadt besitzt und sich nicht verhasst macht, kann kaum angegriffen werden.

Und sollte ihn doch jemand angreifen, wird dieser schließlich beschämt wieder abziehen müssen.

Denn die Verhältnisse der Welt verändern sich so sehr, dass es beinahe unmöglich ist, ein Heer ein ganzes Jahr lang untätig vor einer Stadt liegen zu lassen und sie zu belagern.

Nun könnte jemand einwenden:

Was geschieht, wenn die Menschen ihre Besitzungen außerhalb der Stadt haben und mitansehen müssen, wie diese niedergebrannt werden?

Werden sie nicht die Geduld verlieren?

Wird eine lange Belagerung und ihre Sorge um den eigenen Besitz sie nicht ihren Fürsten vergessen lassen?

Ich antworte:

Ein mächtiger und entschlossener Fürst wird diese Schwierigkeiten immer überwinden.

Mal gibt er seinen Untertanen Hoffnung, dass das Unglück nicht lange dauern wird.

Mal erinnert er sie an die Grausamkeit des Feindes.

Und diejenigen, die ihm zu kühn erscheinen, bringt er mit Geschick unter Kontrolle.


Hier wird Machiavelli wieder Machiavelli.

Seine Aufgabe lautet nicht:

Wie tröstet ein guter Mensch eine leidende Bevölkerung?

Sondern:

Wie hält ein Fürst eine belagerte Bevölkerung politisch zusammen?

Und seine Antwort besitzt drei Werkzeuge.

Hoffnung.

Angst vor dem Feind.

Kontrolle möglicher Unruhestifter.

Der Bordcomputer verzichtet auf die Beschriftung MOTIVATIONSKOFFER.

Nur knapp.


Außerdem wird der Feind vernünftigerweise gleich bei seiner Ankunft das umliegende Land niederbrennen und verwüsten.

Er wird das zu einem Zeitpunkt tun, an dem die Gemüter der Einwohner noch heiß und zur Verteidigung entschlossen sind.

Deshalb muss der Fürst dies umso weniger fürchten.

Denn einige Tage später haben sich die Gemüter abgekühlt.

Die Schäden sind bereits geschehen. Das Unglück ist eingetreten. Es lässt sich nicht mehr rückgängig machen.

Und gerade dann schließen sich die Menschen umso enger an ihren Fürsten an.

Denn nun scheint er ihnen gegenüber verpflichtet zu sein:

Ihre Häuser wurden niedergebrannt und ihre Besitzungen zerstört, weil sie ihn verteidigt haben.

Und es liegt in der Natur der Menschen, sich durch Wohltaten ebenso verpflichtet zu fühlen, die sie anderen erweisen, wie durch solche, die sie empfangen.


Da ist er.

Der Satz, wegen dem dieses kleine Kapitel mehr ist als ein Handbuch über Stadtmauern.

Machiavelli behauptet etwas psychologisch Eigenartiges:

Menschen fühlen sich nicht nur jemandem verbunden, der ihnen etwas gegeben hat.

Sie können sich auch demjenigen stärker verbunden fühlen, für den sie selbst etwas geopfert haben.

Das dreht unsere intuitive Rechnung um.

Normalerweise würden wir erwarten:

Mein Haus wurde wegen dieses Fürsten zerstört.

Also hasse ich ihn.

Machiavelli sieht eine zweite Möglichkeit:

Mein Haus wurde zerstört, weil ich zu diesem Fürsten gehalten habe.

Also bekommt meine Entscheidung Gewicht.

Ich habe investiert.

Nun gehört seine Sache ein Stück weit auch zu meiner.

Das ist keine Behauptung darüber, wie jeder Mensch immer reagieren wird.

Machiavelli beschreibt einen politischen Mechanismus, auf den ein kluger Fürst seiner Ansicht nach bauen kann.

Und der Mechanismus ist bemerkenswert.

Opfer können Bindung erzeugen.

Nicht nur Bindung Opfer.


Wenn man dies alles richtig bedenkt, wird es einem klugen Fürsten nicht schwerfallen, die Gemüter seiner Bürger während einer Belagerung sowohl am Anfang als auch später standhaft zu halten.

Vorausgesetzt, ihnen fehlt es weder an Nahrung noch an Mitteln zur Verteidigung.


Und damit beendet Machiavelli Kapitel X.

Es war ein kurzes Kapitel.

Aber es verändert unsere Vorstellung davon, was er unter Stärke versteht.

Am Anfang hätten wir vielleicht gerechnet:

Soldaten.

Geld.

Land.

Waffen.

Am Ende lautet die Rechnung eher:

Verteidigung + Vorräte + Organisation + Zeit + Bevölkerung.

Und hinter allem steht eine Frage, die Machiavelli seit mehreren Kapiteln immer wieder stellt:

Hält das politische System noch, wenn die Lage schlecht wird?

Das ist seine eigentliche Belastungsprobe.

Nicht die Parade.

Die Belagerung.

Nicht die Treue, solange nichts auf dem Spiel steht.

Die Treue, wenn draußen die eigenen Felder brennen.

Kapitel IX sagte:

Ein Fürst braucht das Volk.

Kapitel X fügt hinzu:

Dann sollte er besser dafür sorgen, dass dieses Volk mit ihm durchhalten kann.

Der Bordcomputer schließt die Akte.

Die Mauern stehen. Die Vorratskammern sind gefüllt. Das Volk ist beschäftigt. Vor der Stadt wartet ein feindliches Heer.

Machiavelli betrachtet die Lage.

Und fragt als Erstes, wie lange dessen Proviant reicht.

Das ist inzwischen sehr Machiavelli.

NICCOLÒ MACHIAVELLI

DER FÜRST

Kapitel XI · Von den geistlichen Fürstentümern

Es bleiben uns nur noch die geistlichen Fürstentümer.

Bei ihnen liegen sämtliche Schwierigkeiten vor dem Erwerb.

Denn man erlangt sie durch virtù oder durch fortuna.

Hat man sie jedoch erst einmal erlangt, kann man sie ohne das eine wie das andere behalten.

Denn sie werden von alten religiösen Ordnungen getragen, die so mächtig und von solcher Art sind, dass sie ihre Fürsten an der Macht halten, ganz gleich, wie diese handeln oder leben.


Der Bordcomputer hält an.

Das ist neu.

Seit zehn Kapiteln erklärt Machiavelli uns, was ein Fürst alles können muss.

Er muss erobern. Vorausdenken. Verbündete einschätzen. Gegner beseitigen. Das Volk auf seiner Seite halten. Seine Stadt vorbereiten. Seine virtù einsetzen. Mit fortuna umgehen.

Und nun erscheint eine politische Konstruktion, bei der Machiavelli feststellt:

Nach der Machtübernahme läuft das System erstaunlich weit von selbst.

Nicht weil der jeweilige Herrscher außergewöhnlich gut wäre.

Sondern weil die Institution älter und stärker ist als der Mann, der gerade an ihrer Spitze steht.

Das ist eine neue Form von Macht.


Nur diese Fürsten besitzen Staaten, ohne sie verteidigen zu müssen.

Sie haben Untertanen, ohne sie regieren zu müssen.

Ihre Staaten werden ihnen nicht genommen, obwohl sie sie nicht verteidigen.

Und ihre Untertanen kümmern sich nicht darum, dass sie nicht regiert werden.

Sie denken nicht daran und sind auch nicht imstande, sich von ihnen loszusagen.

Allein diese Fürstentümer sind daher sicher und glücklich.

Da sie aber von höheren Ursachen regiert werden, an die der menschliche Verstand nicht heranreicht, werde ich nicht weiter über sie sprechen.

Denn da sie von Gott erhöht und erhalten werden, wäre es die Aufgabe eines anmaßenden und vermessenen Menschen, darüber zu diskutieren.


Der Bordcomputer liest die Passage ein zweites Mal.

Machiavelli hat soeben erklärt, dass er über die weltliche Macht der Kirche nicht sprechen könne,

weil dies vermessen wäre.

Machiavelli.

Wir notieren:

Möglicherweise Ironie erkannt.

Sicherheit: bemerkenswert hoch.

Denn selbstverständlich hört Machiavelli an dieser Stelle nicht auf.

Er beginnt erst.

Und seine folgende Erklärung benötigt erstaunlich wenig göttliches Eingreifen.

Sie benötigt:

Geld. Waffen. Adelsfamilien. Fraktionen. Französische Armeen. Territorien. Und mehrere äußerst tatkräftige Päpste.

Der Himmel darf im System bleiben.

Aber Machiavelli öffnet vorsichtshalber die Motorhaube.


Man könnte mich nun fragen, wie es gekommen ist, dass die Kirche in weltlichen Dingen eine solche Größe erreicht hat.

Denn vor Alexander VI. wurde die weltliche Macht des Papstes von den italienischen Mächten nur gering geachtet.

Nicht nur von den großen Mächten.

Selbst jeder kleine Baron und Herr nahm sie kaum ernst.

Nun aber zittert sogar ein König von Frankreich vor ihr.

Die Kirche konnte ihn aus Italien vertreiben und die Venezianer zugrunde richten.

Obwohl diese Entwicklung bekannt ist, scheint es mir nicht überflüssig, sie noch einmal in Erinnerung zu rufen.


Und damit ist die göttliche Ausnahme beendet.

Wir befinden uns wieder in Italien.

Machiavelli möchte wissen:

Wie ist die Kirche so mächtig geworden?

Nicht:

Warum wollte Gott es so?

Sondern:

Was ist tatsächlich passiert?

Das ist inzwischen eine vertraute Bewegung.

Machiavelli betrachtet politische Macht nicht zuerst danach, was sie über sich selbst erzählt.

Er untersucht, wie sie funktioniert.


Bevor Karl, der König von Frankreich, nach Italien kam, stand das Land unter der Herrschaft des Papstes, der Venezianer, des Königs von Neapel, des Herzogs von Mailand und der Florentiner.

Diese Mächte mussten hauptsächlich auf zwei Dinge achten:

Erstens durfte keine fremde Macht mit Waffen nach Italien eindringen.

Zweitens durfte keine der italienischen Mächte selbst zu mächtig werden.

Besonders aufmerksam beobachtete man dabei den Papst und die Venezianer.

Um die Venezianer zurückzuhalten, mussten sich die übrigen Mächte zusammenschließen, wie bei der Verteidigung Ferraras.

Um dagegen den Papst schwach zu halten, bediente man sich der römischen Barone.

Diese waren in zwei Parteien gespalten:

Orsini und Colonna.

Zwischen ihnen gab es ständig Streit.

Und weil sie bewaffnet unmittelbar vor den Augen des Papstes standen, hielten sie das Papsttum schwach und unsicher.


Jetzt sehen wir das alte System.

Italien ist ein Gleichgewicht konkurrierender Mächte.

Niemand darf zu groß werden.

Und das Papsttum besitzt ein besonderes Problem:

Direkt in seinem eigenen Machtbereich sitzen mächtige Familien, die gegeneinander kämpfen und zugleich verhindern, dass der Papst seine weltliche Macht dauerhaft konzentrieren kann.

Ein Papst kann stark sein.

Aber das System ist stärker.

Noch.


Gelegentlich trat zwar ein energischer Papst auf, wie Sixtus IV.

Doch weder fortuna noch Geschick konnten ihn vollständig von diesen Schwierigkeiten befreien.

Der Grund dafür lag auch in der Kürze der päpstlichen Amtszeiten.

In den ungefähr zehn Jahren, die ein Papst durchschnittlich regierte, konnte er kaum eine der beiden Parteien vollständig niederwerfen.

Wenn beispielsweise einer die Colonna beinahe vernichtet hatte, folgte ihm ein anderer Papst, der den Orsini feindlich gesinnt war und die Colonna wieder aufsteigen ließ.

Und bevor dieser wiederum die Orsini vernichten konnte, starb er.

Deshalb wurde die weltliche Macht des Papstes in Italien nur wenig gefürchtet.


Das ist sehr Machiavelli.

Das Problem ist nicht nur:

Wer herrscht?

Sondern:

Wie lange kann er handeln?

Jeder neue Papst übernimmt die Maschine mit eigenen Freunden, eigenen Feinden und eigenen Zielen.

Was der Vorgänger zehn Jahre lang aufgebaut hat, kann der Nachfolger wieder umkehren.

Damit entdecken wir einen weiteren Faktor politischer Macht:

Zeit.

Ein Herrscher braucht nicht nur Macht.

Er braucht genügend Zeit, um sie in Strukturen zu verwandeln.

Dann erscheint Alexander VI.

Und plötzlich verändert sich die Versuchsanordnung.


Dann kam Alexander VI.

Von allen Päpsten, die es je gegeben hatte, zeigte er am deutlichsten, wie viel ein Papst mit Geld und militärischer Gewalt erreichen konnte.

Mithilfe des Herzogs Valentino und begünstigt durch den Einmarsch der Franzosen vollbrachte er all jene Dinge, die ich bereits bei den Taten des Herzogs beschrieben habe.

Zwar bestand seine Absicht nicht darin, die Kirche groß zu machen.

Er wollte seinen Sohn, den Herzog, groß machen.

Doch alles, was er tat, vergrößerte am Ende die Macht der Kirche.

Nach seinem Tod und dem Untergang des Herzogs wurde die Kirche zur Erbin seiner Anstrengungen.


Da ist der entscheidende Moment.

Alexander VI. handelt für seine Familie. Er baut Macht für Cesare Borgia auf. Der Plan scheitert. Cesare fällt. Alexander stirbt.

Und trotzdem verschwindet die geschaffene Macht nicht.

Die Institution behält den Gewinn.

Der Mensch verfolgt ein persönliches Ziel.

Die Organisation erbt das Ergebnis.

Der Bordcomputer markiert einen Satz:

Institutionen können erfolgreicher sein als die Absichten der Menschen, die sie führen.

Machiavelli hat dafür kein Managementseminar besucht.

Er hatte die Borgias.


Nach Alexander kam Julius II.

Er fand eine bereits mächtige Kirche vor. Sie besaß die gesamte Romagna. Die römischen Barone waren geschwächt. Ihre Parteien waren durch Alexanders Schläge weitgehend zerschlagen.

Außerdem fand Julius einen Weg vor, Geld anzuhäufen, wie man ihn vor Alexander nicht gekannt hatte.

Julius setzte diese Entwicklungen nicht nur fort.

Er verstärkte sie.

Er wollte Bologna gewinnen.

Er wollte die Venezianer vernichten.

Er wollte die Franzosen aus Italien vertreiben.

Und alle diese Unternehmungen gelangen ihm.

Umso größer war sein Ruhm, weil er dies alles zur Vergrößerung der Kirche tat und nicht zugunsten eines Privatmannes.


Alexander baut Macht auf, eigentlich für seinen Sohn.

Julius übernimmt sie und verwendet sie für die Institution.

Jetzt beginnt sich etwas zu stabilisieren.

Persönliche Macht wird institutionelle Macht.

Und institutionelle Macht überlebt ihren Besitzer.

Das ist vermutlich der wichtigste Gedanke dieses Kapitels.

Denn plötzlich verstehen wir auch Machiavellis seltsamen Anfang besser.

Warum können geistliche Fürstentümer so stabil sein?

Nicht unbedingt, weil ihre Herrscher besser regieren.

Sondern weil sie auf einer Ordnung sitzen, die vor ihnen existierte und nach ihnen weiterexistieren wird.

Der Fürst stirbt.

Der Stuhl bleibt stehen.

Beim Papst sogar ziemlich wörtlich.


Julius hielt außerdem die Parteien der Orsini und Colonna in dem Zustand, in dem er sie vorgefunden hatte.

Zwar gab es unter ihnen Männer, die neue Unruhen hätten beginnen können.

Doch zwei Dinge hielten sie zurück.

Zum einen die Größe der Kirche, die sie einschüchterte.

Zum anderen hatten sie keine eigenen Kardinäle.

Denn Kardinäle waren die Ursache neuer Auseinandersetzungen zwischen diesen Parteien.

Solche Parteien werden niemals ruhig bleiben, sobald sie Kardinäle besitzen.

Denn die Kardinäle nähren die Parteiungen innerhalb und außerhalb Roms, und die Barone sind gezwungen, sie zu verteidigen.

So entstehen aus dem Ehrgeiz der Kirchenfürsten Streit und Unruhe unter den Baronen.


Und nun kommt Machiavelli in seiner Gegenwart an.

Leo X. hat ein Papsttum übernommen, das mächtiger ist als je zuvor.

Machiavelli beendet das Kapitel mit einer höfischen Hoffnung:

Wenn seine Vorgänger die Kirche mit Waffen groß gemacht haben, möge Leo sie nun durch seine Güte und seine vielen anderen Tugenden noch größer und ehrwürdiger machen.

Der Bordcomputer betrachtet diesen letzten Satz.

Leo X. ist ein Medici.

Machiavelli schreibt Der Fürst für einen Medici.

Wir sollten die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Niccolò Machiavelli wusste, wann es angebracht war, einen Absatz sehr freundlich zu beenden.


Damit endet Kapitel XI.

Und unter der Kirchengeschichte liegt ein Gedanke, der weit über die Kirche hinausreicht.

Bislang haben wir Macht häufig an Menschen untersucht:

Was kann ein Fürst?

Wie klug ist er?

Welche Fehler macht er?

Welche virtù besitzt er?

Jetzt erscheint eine andere Ebene:

Was kann eine Institution?

Alexander VI. stirbt.

Cesare Borgia scheitert.

Julius II. stirbt.

Der nächste Papst kommt.

Aber Territorien, Geld, Ämter, Gewohnheiten und Machtstrukturen bleiben.

Menschen verschwinden.

Strukturen können bleiben.

Und damit hat Machiavelli neben virtù und fortuna beinahe unbemerkt einen dritten großen Akteur auf unsere Konsole gestellt:

INSTITUTIONEN.

Der Bordcomputer schließt Kapitel XI.

Gott wurde zu Beginn ausdrücklich als zuständig erklärt.

Danach folgte italienische Machtpolitik.

Machiavelli scheint mit dieser Arbeitsteilung zufrieden zu sein.

NICCOLÒ MACHIAVELLI

DER FÜRST

Kapitel XII · Von den verschiedenen Arten der Heere und von den Söldnertruppen

Nachdem ich die verschiedenen Arten von Fürstentümern behandelt habe, über die ich zu Beginn sprechen wollte, nachdem ich einige Ursachen ihres Gedeihens und ihres Untergangs untersucht und gezeigt habe, auf welche Weise viele versucht haben, sie zu erwerben und zu erhalten, bleibt mir nun noch, allgemein über ihre Verteidigung und ihre Angriffsmittel zu sprechen.

Wir haben bereits gesagt, dass ein Fürst gute Grundlagen haben muss.

Andernfalls wird er notwendigerweise zugrunde gehen.

Die wichtigsten Grundlagen aller Staaten, ob neu, alt oder gemischt, sind:

gute Gesetze und gute Waffen.

Und weil es keine guten Gesetze geben kann, wo es keine guten Waffen gibt, und weil dort, wo gute Waffen vorhanden sind, auch gute Gesetze vorhanden sein müssen, werde ich die Gesetze beiseitelassen.

Ich werde von den Waffen sprechen.


Der Bordcomputer hält kurz an.

Das ist eine ziemlich große Behauptung.

Machiavelli sagt nicht:

Ein Staat braucht unter anderem eine funktionierende Verteidigung.

Er setzt tiefer an.

Politische Ordnung braucht eine Grundlage, die sie tatsächlich tragen kann.

Gesetze allein genügen ihm nicht.

Ein Staat kann sehr schöne Regeln besitzen.

Wenn er aber vollständig darauf angewiesen ist, dass andere diese Regeln respektieren, sobald es ernst wird, interessiert Machiavelli sich plötzlich weniger für die Schönheit der Regeln.

Wir kennen diese Bewegung inzwischen.

Was passiert unter Belastung?

Kapitel X stellte diese Frage an die befestigte Stadt.

Kapitel XII stellt sie an den ganzen Staat.


Die Waffen, mit denen ein Fürst seinen Staat verteidigt, sind entweder

eigene,

Söldnertruppen,

Hilfstruppen

oder eine Mischung daraus.

Söldner und Hilfstruppen sind nutzlos und gefährlich.

Wer seinen Staat auf Söldnertruppen gründet, wird niemals sicher und fest stehen.

Denn sie sind uneinig, ehrgeizig, undiszipliniert und untreu.

Unter Freunden sind sie tapfer. Vor dem Feind feige.

Sie fürchten Gott nicht und halten den Menschen nicht die Treue.

Dein Untergang wird nur so lange hinausgeschoben, wie der Angriff auf dich hinausgeschoben wird.

Im Frieden wirst du von ihnen ausgeplündert. Im Krieg von deinen Feinden.


Nun wissen wir wenigstens, wo Machiavelli steht.

Der Bordcomputer entfernt vorsorglich die Kategorie:

VOR- UND NACHTEILE VON SÖLDNERHEEREN

Machiavelli hat seine Entscheidung bereits getroffen.

Das Problem ist für ihn nicht einfach, dass Söldner schlechte Soldaten wären.

Das Problem liegt in ihrer Motivation.

Sie kämpfen für Geld.

Solange kein Krieg herrscht, möchten sie durchaus Soldaten sein.

Wenn Krieg herrscht, entdeckt Machiavelli eine gewisse Abnahme der Begeisterung.

Denn sie haben keinen ausreichenden Grund, für dich zu sterben.

Und genau hier liegt für ihn der Konstruktionsfehler:

Deine Existenz hängt von Menschen ab, deren eigenes Schicksal nicht an deine Existenz gebunden ist.


Der Grund dafür ist, dass sie weder Zuneigung noch irgendeinen anderen Grund besitzen, der sie im Feld hält, außer einem kleinen Sold.

Und dieser Sold reicht nicht aus, damit sie bereitwillig für dich sterben.

Sie wollen gern deine Soldaten sein, solange du keinen Krieg führst.

Kommt aber der Krieg, wollen sie fliehen oder davonziehen.

Der Bordcomputer überprüft den Vertrag.

Bezahlung: vorhanden.

Bereitschaft zum Sterben: nicht Bestandteil des Basispakets.

Machiavelli hält das für einen Mangel.


Und nun beginnt er, Beweismaterial vorzulegen.

Italien, sagt Machiavelli, liefert den Beweis praktisch selbst.

Sein gegenwärtiger Ruin sei wesentlich dadurch verursacht worden, dass das Land sich über viele Jahre auf Söldnerheere verlassen habe.

Solange diese untereinander kämpften, konnten sie durchaus erfolgreich erscheinen.

Doch sobald eine ausländische Macht nach Italien kam, zeigte sich, was diese militärische Ordnung tatsächlich wert war.

Deshalb, schreibt Machiavelli, konnte Karl VIII. von Frankreich Italien beinahe mit Kreide erobern.


Mit Kreide?

Ja.

Machiavelli spielt auf ein berühmt gewordenes Bild an: Der französische Vormarsch sei so leicht gewesen, dass man keine ernsthaften Kämpfe führen musste, sondern gewissermaßen nur die Unterkünfte des Heeres mit Kreide an den Türen markieren musste.

Ob die zugespitzte Formulierung historisch wörtlich genommen werden darf, ist weniger wichtig als Machiavellis Punkt.

Italien sah militärisch ausgerüstet aus.

Dann kam ein echter äußerer Gegner.

Und die Kulisse fiel um.

Das ist genau die Art von Moment, die Machiavelli interessiert.

Systemtest fehlgeschlagen.


Wer nun sage, unsere Sünden seien daran schuld gewesen, habe zwar recht.

Aber nicht die Sünden, an die er denke.

Es seien vielmehr jene Fehler gewesen, die Machiavelli gerade beschrieben habe.

Und weil es die Fehler der Fürsten gewesen seien, hätten diese auch die Strafe dafür getragen.

Das ist bemerkenswert.

Selbst dort, wo Machiavelli religiöse Sprache übernimmt, zieht er die Erklärung wieder auf die Erde.

Warum ist Italien in Schwierigkeiten?

Nicht:

unergründlicher göttlicher Plan.

Sondern:

schlechte politische Entscheidungen.

Wir kennen das Verfahren aus Kapitel XI.

Der Himmel bleibt geöffnet.

Die Untersuchung findet trotzdem unten statt.


Machiavelli möchte nun genauer zeigen, warum Söldnerheere gefährlich sind.

Ein Söldnerführer hat für ihn nur zwei Möglichkeiten.

Entweder er ist fähig.

Dann musst du fürchten, dass er seine Fähigkeiten irgendwann gegen dich richtet.

Oder er ist unfähig.

Dann richtet er dich auf gewöhnlichem Wege zugrunde.

Das wirkt zunächst wie eine beeindruckend schlechte Personalauswahl.

Aber Machiavellis Argument ist strukturell:

Wenn jemand die bewaffnete Macht besitzt, auf der dein Staat beruht, besitzt er irgendwann etwas, das du selbst nicht besitzt.

Die Fähigkeit, deinen Staat militärisch zu tragen.

Damit verändert sich das Machtverhältnis zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer.


Vielleicht, könnte jemand einwenden, gilt das für jeden Heerführer.

Auch ein eigener Befehlshaber könnte nach der Macht greifen.

Machiavelli stimmt grundsätzlich zu.

Aber deshalb, sagt er, muss ein Fürst entweder selbst seine Truppen führen, oder eine Republik muss eigene Bürger mit dem Kommando betrauen und dafür sorgen, dass diese innerhalb ihrer politischen Ordnung bleiben.

Er verweist auf Rom und Sparta.

Bewaffnete Bürger hätten ihre Freiheit über lange Zeit bewahrt.

Auch die Schweizer seien stark bewaffnet und deshalb frei.

Hier taucht etwas auf, das wir noch öfter sehen werden:

Für Machiavelli gehören eigene Waffen und politische Selbstständigkeit zusammen.

Wer seine Verteidigung auslagert, lagert einen Teil seiner Selbstständigkeit aus.


Dann folgen die Fälle.

Die Karthager setzten Söldner ein und gerieten nach ihrem ersten Krieg gegen Rom beinahe unter deren Herrschaft.

Theben machte nach dem Tod des Epaminondas Philipp von Makedonien zum Heerführer.

Nach seinem Sieg nahm er den Thebanern die Freiheit.

Mailand wiederum stellte nach dem Tod Herzog Filippo Maria Viscontis Francesco Sforza gegen Venedig an.

Sforza besiegte die Venezianer bei Caravaggio. Dann verbündete er sich mit ihnen. Gegen seine bisherigen Auftraggeber. Die Mailänder.

Der Bordcomputer notiert:

Wenn der Mann, den Sie für den Krieg engagiert haben, nach dem Krieg Ihren Staat besitzt, war der Vertrag möglicherweise unvollständig.


Machiavelli weiß natürlich, dass man ihm widersprechen kann.

Florenz und Venedig haben schließlich lange mit Söldnerführern gearbeitet und trotzdem ihre Macht vergrößert.

Seine Antwort:

Glück gehabt.

Bei Florenz seien einige gefährliche Heerführer nicht erfolgreich genug gewesen.

Andere hätten Rivalen gehabt.

Wieder andere hätten ihren Ehrgeiz auf ein anderes Ziel gerichtet.

Machiavelli nennt unter anderem John Hawkwood, Braccio da Montone und die Sforza.

Nicht das System habe Florenz geschützt.

Die Umstände hätten verhindert, dass das Risiko sich vollständig verwirklichte.

Das ist eine wichtige Unterscheidung.

Ein schlechtes System kann eine Zeit lang gute Ergebnisse produzieren.

Das macht es für Machiavelli noch nicht zu einem guten System.

Er beurteilt politische Konstruktionen nicht nur danach, ob sie gestern funktioniert haben.

Er fragt:

Was passiert, wenn die günstigen Umstände verschwinden?


Auch Venedig dient ihm als Beispiel.

Solange die Venezianer mit ihren eigenen Leuten Krieg führten, handelten sie nach Machiavellis Urteil sicher und erfolgreich.

Als sie ihre Expansion auf das italienische Festland ausdehnten, übernahmen sie das dort übliche System der Söldnerführer.

Dann kam Carmagnola.

Er hatte für Venedig erfolgreich gegen Mailand gekämpft.

Doch die Venezianer hielten ihn schließlich für militärisch zu zögerlich und zugleich für zu gefährlich, um ihn einfach zu entlassen.

Also ließen sie ihn töten.

Der Bordcomputer betrachtet erneut das Personalwesen der Renaissance.

Eine schriftliche Abmahnung scheint nicht erfolgt zu sein.


Später beschäftigten die Venezianer weitere Condottieri.

Und schließlich kam die Niederlage von Agnadello 1509.

Machiavelli formuliert sein Urteil vernichtend:

Mit solchen Waffen mache man nur langsame, verspätete und schwache Gewinne.

Und dann:

plötzliche und erstaunliche Verluste.

Das ist fast eine Formel:

Langsam gewinnen.

Schnell verlieren.

Für Machiavelli ist das ein Zeichen dafür, dass die Grundlage falsch konstruiert war.


Nun geht er noch weiter zurück.

Wie konnte Italien überhaupt in diese Lage geraten?

Als die kaiserliche Macht in Italien zurückging und die weltliche Macht des Papstes zunahm, zerfiel das Land in zahlreiche Staaten.

Viele Städte erhoben sich gegen ihre bisherigen Herren.

Andere gelangten unter die Herrschaft eigener Bürger.

Doch die Männer, die diese Staaten führten, waren häufig keine Soldaten.

Also begannen sie, Fremde für den Krieg anzuwerben.

Aus diesem System entstanden die großen Condottieri.

Machiavelli nennt Alberigo da Barbiano als frühen Wegbereiter; aus dieser militärischen Tradition gingen später Männer wie Braccio und Sforza hervor.

Damit wird sein Vorwurf größer.

Es geht nicht mehr um einzelne schlechte Söldner.

Italien hat eine ganze militärische Kultur des ausgelagerten Krieges geschaffen.

Und Machiavelli hält das Ergebnis für katastrophal.


Diese Söldnerführer hätten sogar die Art des Krieges verändert.

Um ihre eigene Bedeutung zu erhöhen, hätten sie die Infanterie herabgesetzt und sich auf Kavallerie konzentriert.

Mit wenigen Fußsoldaten ließ sich kein großes Ansehen gewinnen.

Viele Fußsoldaten wiederum waren teuer.

Also setzte man auf Reiter.

In einem Heer von zwanzigtausend Mann, schreibt Machiavelli, habe man schließlich kaum zweitausend Infanteristen gefunden.

Aber noch schlimmer:

Sie hätten Krieg so organisiert, dass er für die Beteiligten möglichst wenig gefährlich und anstrengend wurde.

Im Kampf tötete man sich möglichst nicht. Man nahm einander gefangen. Gefangene wurden teilweise ohne Lösegeld wieder freigelassen. Nachts griff man keine Städte an. Die Städte griffen nachts keine Lager an. Lager wurden kaum mit Gräben und Palisaden gesichert. Im Winter führte man keinen Feldzug.

Machiavelli sieht darin keine Zivilisierung des Krieges.

Für ihn ist es der Beweis, dass ein Berufsstand entstanden ist, der Krieg führt, ohne die Risiken des Krieges wirklich tragen zu wollen.


Und nun erreicht das Kapitel seinen eigentlichen Zorn.

Diese Ordnung, sagt Machiavelli, habe Italien

versklavt und entehrt.

Das ist ungewöhnlich emotional für ihn.

Denn hinter seiner Kritik an den Söldnern steckt inzwischen etwas Größeres als Militärtechnik.

Es geht um Abhängigkeit.

Ein Staat besitzt Gesetze.

Institutionen.

Territorium.

Geld.

Bürger.

Aber in dem Augenblick, in dem es um seine Existenz geht, muss er jemanden bezahlen, damit dieser sie für ihn verteidigt.

Und Machiavellis Urteil lautet:

Dann besitzt dieser Staat einen entscheidenden Teil seiner eigenen Macht nicht selbst.


Damit können wir Kapitel XII schließen.

Es beginnt mit:

GUTE GESETZE + GUTE WAFFEN

und endet bei einer Frage, die wir aus den vorherigen Kapiteln bereits kennen:

Worauf kannst du dich verlassen, wenn es ernst wird?

Beim Volk?

Bei deinen Institutionen?

Bei deinen Befestigungen?

Bei deinen eigenen Kräften?

Machiavelli misstraut Konstruktionen, deren entscheidende Grundlage außerhalb ihrer selbst liegt.

Das galt für den Fürsten, der nur durch fremde Hilfe an die Macht kam.

Es galt für die Stadt, die sich nicht selbst behaupten konnte.

Und jetzt gilt es für den Staat, der seine Verteidigung eingekauft hat.

Politische Selbstständigkeit verlangt für Machiavelli eigene Machtmittel.

Kapitel XIII wird diesen Gedanken noch verschärfen.

Denn dort untersucht er die Hilfstruppen: Soldaten, die nicht einmal von dir bezahlt werden, sondern einem anderen Herrscher gehören.

Der Bordcomputer betrachtet die Akte.

Söldner waren bereits keine gute Idee.

Offenbar hat Machiavelli noch eine schlechtere gefunden.

TEIL III – KAPITEL X–XII
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