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BORDFASSUNG · BAND V

WIE DER MENSCH DENKT

JAMES ALLEN · 1903 · VEREINIGTES KÖNIGREICH · PHILOSOPHISCHE ABHANDLUNG
Portrait von James Allen

DER AUTOR

JAMES ALLEN

1864–1912 · ENGLAND

James Allen wurde 1864 in Leicester geboren. Er stammte aus einer Arbeiterfamilie und musste die Schule mit fünfzehn Jahren verlassen. Sein Vater war nach Amerika gereist, um dort eine neue Existenz für die Familie aufzubauen, und gestorben. Für den jungen Allen bedeutete das zunächst nicht Philosophie, sondern Arbeit.

Er verdiente seinen Lebensunterhalt unter anderem als Angestellter und Privatsekretär. Nebenher beschäftigte er sich mit religiösen und philosophischen Schriften. Ihn interessierte eine Frage, die ihn später sein ganzes schriftstellerisches Leben begleiten sollte: Wie viel Einfluss hat ein Mensch auf die Entwicklung seines eigenen Charakters?

1902 begann Allen, die Zeitschrift *The Light of Reason* herauszugeben. Ein Jahr später erschien *As a Man Thinketh*. Mit seiner Frau Lily und der gemeinsamen Tochter lebte er schließlich im englischen Küstenort Ilfracombe. Dort widmete er sich bis zu seinem Tod 1912 dem Schreiben.

Er wurde nur 47 Jahre alt. Sein bekanntestes Buch ist erstaunlich kurz.

Offenbar hatte Allen beschlossen, seine Gedanken zu ordnen, bevor er sie veröffentlichte.

DAS WERK

WIE DER MENSCH DENKT

ORIGINALTITEL: AS A MAN THINKETH · ERSCHIENEN 1903

James Allen beginnt mit einer Behauptung, die wenig Raum für Ausreden lässt: Der Mensch ist das Ergebnis seiner Gedanken.

Was wir regelmäßig denken, so seine Überzeugung, prägt unseren Charakter. Unser Charakter beeinflusst unser Handeln. Und aus unserem Handeln erwächst schließlich das Leben, das wir führen.

In sieben kurzen Kapiteln verfolgt Allen diesen Gedanken durch nahezu alle Bereiche der menschlichen Existenz: Lebensumstände, Gesundheit, Ziele, Erfolg, Ideale und Gelassenheit. Er vergleicht Gedanken mit Samen, die in einem Garten wachsen. Wer seinen Geist nicht pflegt, darf sich über das Unkraut nicht wundern.

Dabei geht Allen weit. Er betrachtet nicht nur den Charakter, sondern auch Armut, Wohlstand, Krankheit und Schicksal als Folgen innerer Haltungen. Seine Überzeugung, der Mensch könne seine Lebensumstände durch die Ordnung seiner Gedanken grundlegend verändern, kennt kaum Einschränkungen.

Das macht das Buch ebenso eindringlich wie streitbar.

Allen schreibt nicht als Wissenschaftler, der eine Theorie experimentell überprüft. Er schreibt als moralischer Denker, der eine Lebenshaltung entwickelt hat und seine Leser auffordert, sie an sich selbst zu erproben.

Am Ende steht keine Anleitung zu Reichtum oder Ruhm.

Es steht ein einziges Wort: Gelassenheit.

WARUM LESEN?

Weil dieses kleine Buch eine große Frage stellt: Wer führt eigentlich unser Denken?

Wir betrachten Gedanken gewöhnlich als etwas, das uns gehört. Allen dreht das Verhältnis um. Vielleicht gehören wir längst unseren Gewohnheiten, Befürchtungen, Erwartungen und inneren Selbstgesprächen. Vielleicht verbringen wir einen beträchtlichen Teil unseres Lebens damit, Gedanken zu folgen, die wir nie bewusst ausgewählt haben.

Seine Antwort lautet: Das muss nicht so bleiben.

Allen fordert keine plötzliche Verwandlung. Er verlangt Aufmerksamkeit, Übung, Geduld und die Bereitschaft, Verantwortung für die eigene innere Haltung zu übernehmen.

Man muss ihm dafür nicht in allem zustimmen. Gerade seine weitreichenden Behauptungen über Krankheit und gesellschaftliche Lebensumstände verdienen Widerspruch. Aber zwischen der Vorstellung, alles selbst bestimmen zu können, und der Annahme, überhaupt keinen Einfluss zu besitzen, liegt ein bemerkenswert großes Gebiet.

Dort beginnt die eigentliche Lektüre.

Nicht jeder Gedanke wird wahr.

Aber manche werden zu Gewohnheiten. Und Gewohnheiten können ein Leben verändern.

ALLENS WELT

1903 → EINE WELT IM WANDEL

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verändern Industrialisierung, Wissenschaft und gesellschaftliche Umbrüche den Alltag. Neue technische Möglichkeiten stehen neben harter Arbeit, sozialer Ungleichheit und wirtschaftlicher Unsicherheit. Allen schreibt in einer Zeit, in der die Frage nach dem eigenen Lebensweg für viele Menschen keineswegs nur eine philosophische Angelegenheit ist.

NEW THOUGHT → DIE MACHT DES DENKENS

Allen wird der Neugeist-Bewegung, im Englischen *New Thought*, zugerechnet. In diesem Umfeld verbreitet sich die Überzeugung, dass Gedanken, Überzeugungen und geistige Haltungen eine entscheidende Wirkung auf das Leben besitzen. Allen verbindet diese Vorstellung mit moralischer Selbstdisziplin, spiritueller Entwicklung und persönlicher Verantwortung.

DER GARTEN → DAS ZENTRALE BILD

Für Allen gleicht der Geist einem Garten. Gedanken wachsen darin nicht zufällig, sondern nach den Bedingungen, die wir ihnen schaffen. Wer nichts pflanzt und nichts entfernt, überlässt das Ergebnis dem Wildwuchs.

Es ist ein einfaches Bild.

Und vermutlich eines der wenigen philosophischen Modelle, bei denen regelmäßiges Jäten ausdrücklich vorgesehen ist.

BIBLISCHE WEISHEIT → DER TITEL

*As a Man Thinketh* greift eine Formulierung aus dem biblischen Buch der Sprüche auf. Allen entwickelt daraus eine umfassende Lehre über das Verhältnis von Denken, Charakter und Lebensführung. Der Ausgangspunkt ist religiös geprägt, das Buch selbst richtet sich jedoch nicht ausschließlich an ein religiöses Publikum.

WAS NOCH LESEN?

FROM POVERTY TO POWER · JAMES ALLEN · 1901
Ein früheres Werk Allens, in dem sich bereits viele seiner zentralen Gedanken finden: Selbstveränderung, innere Haltung, Charakter und die Suche nach einem erfüllten Leben. Wer verstehen möchte, wie sich seine Philosophie entwickelt hat, kann hier beginnen.
THE MASTERY OF DESTINY · JAMES ALLEN · 1909
Allen führt seine Überlegungen zur Selbstbeherrschung und zur Gestaltung des eigenen Lebens weiter. Besonders interessant für Leser, denen *Wie der Mensch denkt* zu kurz erscheint.
SELBSTBETRACHTUNGEN · MARK AUREL · 2. JAHRHUNDERT
Ein römischer Kaiser denkt über Selbstdisziplin, innere Freiheit und die Grenzen menschlicher Kontrolle nach. Bei Mark Aurel lässt sich eine wichtige Gegenfrage zu Allen stellen: Was können wir wirklich beeinflussen – und was müssen wir hinnehmen?
ENCHIRIDION · EPIKTET · 2. JAHRHUNDERT
Das kleine Handbuch eines stoischen Philosophen. Epiktet unterscheidet streng zwischen Dingen, die in unserer Macht stehen, und solchen, die es nicht tun. Ein besonders aufschlussreicher Gesprächspartner für James Allen, auch wenn zwischen beiden viele Jahrhunderte liegen.
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