Ein kurzes Nickerchen kann Wachheit, Aufmerksamkeit und geistige Leistungsfähigkeit verbessern. Entscheidend ist allerdings nicht nur, wie lange man sich hinlegt. Auch Einschlafzeit, vorheriger Schlaf, Tageszeit und die Schlafphase beim Aufwachen spielen eine Rolle.
Deshalb arbeitet dieses Instrument mit Ruhefenstern und nicht mit angeblich optimalen Schlafminuten. Wer 25 Minuten Zeit einplant, schläft schließlich nicht automatisch 25 Minuten. Vielleicht dauert das Einschlafen fünf Minuten. Vielleicht fünfzehn. Vielleicht schläft man gar nicht. Auch ruhiges Liegen ist erlaubt. Der Bordcomputer führt darüber keine Anwesenheitskontrolle.
Kurze Nickerchen haben einen praktischen Vorteil: Die Wahrscheinlichkeit ist geringer, aus tieferem Schlaf geweckt zu werden. Das kann das Aufwachen erleichtern. Eine Garantie gibt es nicht. Auch nach kurzen Nickerchen kann Schlafträgheit auftreten: jener Zustand, in dem der Mensch zwar bereits wieder auf der Erde angekommen ist, das Gehirn aber offenbar noch Gepäck sucht.
Längere Nickerchen können ebenfalls erholsam sein und bestimmte Gedächtnis- und Leistungsfunktionen unterstützen. Gleichzeitig steigt die Möglichkeit, aus tieferem Schlaf aufzuwachen und zunächst stärker benommen zu sein. Die oft genannte Regel, 90 Minuten entsprächen exakt einem vollständigen Schlafzyklus, ist zu einfach. Schlafzyklen unterscheiden sich zwischen Menschen und verändern sich auch innerhalb einer Schlafperiode.
Besonders interessant ist die berühmte Geschichte vom 26-Minuten-Nickerchen der NASA. In der zugrunde liegenden Untersuchung erhielten Langstreckenpiloten nicht etwa einen auf 26 Minuten gestellten Wecker. Vorgesehen war eine Ruhegelegenheit von 40 Minuten. Die Teilnehmer benötigten durchschnittlich etwa 5,6 Minuten zum Einschlafen und schliefen anschließend durchschnittlich 25,8 Minuten. Danach zeigten sich Verbesserungen bei Wachheit und Leistungsfähigkeit.
Aus diesen 25,8 Minuten wurde später die griffige Geschichte vom optimalen 26-Minuten-NASA-Nap. Die eigentliche Untersuchung ist interessanter: Sie zeigt, warum Ruhefenster und tatsächliche Schlafdauer nicht dasselbe sind.
Für den Alltag sind kurze Nickerchen besonders am frühen Nachmittag plausibel, wenn die Wachheit bei vielen Menschen natürlicherweise etwas absinkt. Sehr spätes Schlafen am Tag kann dagegen den Schlafdruck für die kommende Nacht verringern. Wer ohnehin Schwierigkeiten mit dem Ein- oder Durchschlafen hat, sollte damit besonders vorsichtig sein.
Ein Nickerchen kann Müdigkeit überbrücken. Es ersetzt jedoch keinen dauerhaft ausreichenden Nachtschlaf. Ungewöhnlich starke oder regelmäßig kaum beherrschbare Tagesmüdigkeit ist ebenfalls kein Problem, das ein immer längerer Mittagsschlaf zuverlässig lösen sollte.
Die wichtigste Regel dieses Instruments lautet deshalb:
SIE MÜSSEN NICHT EINSCHLAFEN.
Hinlegen. Augen schließen. Systeme reduzieren. Der Rest darf passieren.