LICHTSPIELE
> FILME FILTERN
> Captain Phillips USA · 2013 · 134 MIN. (KINOFASSUNG) REGIE: PAUL GREENGRASS
- GENRE
- Thriller · Drama
- DREHBUCH
- Billy Ray
- NACH DEM BUCH
- Richard Phillips · Stephan Talty
- MIT
- Tom Hanks · Barkhad Abdi · Barkhad Abdirahman · Faysal Ahmed · Mahat M. Ali · Catherine Keener · Michael Chernus
- AUSZEICHNUNGEN
- 6 Oscar-Nominierungen
- MUSIK
- Henry Jackman
- KAMERA
- Barry Ackroyd
- MEDIATHEKENFASSUNG
- ZDFneo: 128 Min. 45 Sek.
April 2009. Das amerikanische Containerschiff *Maersk Alabama* ist vor der Küste Somalias unterwegs, als sich ein kleines Boot mit vier bewaffneten Männern nähert. Kapitän Richard Phillips versucht zunächst, die Angreifer durch Ausweichmanöver und Täuschungen fernzuhalten. Doch die Piraten gelangen an Bord. Aus einer gewöhnlichen Handelsfahrt wird eine Geiselnahme, bei der zwei Männer aufeinandertreffen, deren Lebensumstände unterschiedlicher kaum sein könnten: ein amerikanischer Schiffskapitän und ein junger Somalier namens Muse, der sich mit der Entführung einen Ausweg aus seiner eigenen Perspektivlosigkeit erhofft.
Paul Greengrass rekonstruiert die tatsächlichen Ereignisse als beklemmenden Thriller, der seine Spannung weniger aus spektakulären Einfällen als aus der unmittelbaren Erfahrung von Angst und Kontrollverlust gewinnt. Tom Hanks spielt Phillips als erfahrenen Seemann, dessen professionelle Ruhe zunehmend an ihre Grenzen gerät. Barkhad Abdi gibt seinem Gegenspieler eine Mischung aus Entschlossenheit, Unsicherheit und verzweifeltem Ehrgeiz. *Captain Phillips* zeigt, wie die gewaltigen wirtschaftlichen Unterschiede der Welt auf engstem Raum zusammentreffen können. Auf einem Schiff mitten im Ozean gibt es dabei bemerkenswert wenig Möglichkeiten, einander aus dem Weg zu gehen.
> Silver Linings USA · 2012 · 122 MIN. (KINOFASSUNG) REGIE: DAVID O. RUSSELL
- ORIGINALTITEL
- Silver Linings Playbook
- GENRE
- Tragikomödie · Liebesfilm
- DREHBUCH
- David O. Russell
- NACH DEM ROMAN
- Matthew Quick
- MIT
- Bradley Cooper · Jennifer Lawrence · Robert De Niro · Jacki Weaver · Chris Tucker · Anupam Kher · Julia Stiles
- AUSZEICHNUNGEN
- Oscar für Jennifer Lawrence (Beste Hauptdarstellerin)
- MUSIK
- Danny Elfman
- KAMERA
- Masanobu Takayanagi
- MEDIATHEKENFASSUNG
- ARD / rbb: 113 Min. 30 Sek.
Pat Solitano hat seine Ehe verloren, seinen Arbeitsplatz und vorübergehend auch die Möglichkeit, selbst über seinen Aufenthaltsort zu entscheiden. Nach mehreren Monaten in einer psychiatrischen Einrichtung zieht er wieder bei seinen Eltern ein und beschließt, sein Leben durch konsequent positives Denken in Ordnung zu bringen. Vor allem möchte er seine Frau zurückgewinnen. Dann begegnet er Tiffany, einer jungen Witwe, die ebenfalls ihre Schwierigkeiten mit den Erwartungen ihrer Mitmenschen hat. Sie bietet ihm einen ungewöhnlichen Handel an: Hilfe bei der Versöhnung gegen die Teilnahme an einem Tanzwettbewerb.
David O. Russell erzählt von Menschen, die verzweifelt versuchen, sich und ihre Umgebung unter Kontrolle zu bringen, während ihre Gefühle sämtliche Vereinbarungen ignorieren. Bradley Cooper und Jennifer Lawrence spielen zwei verletzliche, eigensinnige Figuren, deren Gespräche selten nach den üblichen Regeln gesellschaftlicher Höflichkeit verlaufen. Robert De Niro ergänzt das Ganze als Vater, dessen Football-Aberglaube durchaus Züge einer eigenen Weltanschauung trägt. *Silver Linings* ist eine Komödie über seelische Verletzungen, familiäre Zumutungen und die merkwürdige Möglichkeit, ausgerechnet dort Verständnis zu finden, wo man es am wenigsten erwartet.
> Mission: Impossible III USA · 2006 · 126 MIN. REGIE: J. J. ABRAMS
- GENRE
- Agententhriller · Action
- DREHBUCH
- Alex Kurtzman · Roberto Orci · J. J. Abrams
- MIT
- Tom Cruise · Philip Seymour Hoffman · Michelle Monaghan · Ving Rhames · Laurence Fishburne · Billy Crudup · Maggie Q
- MUSIK
- Michael Giacchino
- KAMERA
- Dan Mindel
Ethan Hunt hat sich aus dem aktiven Agentendienst zurückgezogen. Er bildet nun Nachwuchskräfte aus und versucht, mit seiner Verlobten Julia ein gewöhnliches Leben zu führen. Das funktioniert erstaunlich gut, bis eine ehemalige Schülerin in Schwierigkeiten gerät und Hunt für einen letzten Einsatz zurückkehrt. Sein Gegner ist der Waffenhändler Owen Davian, ein Mann, der selbst unter den ausgesprochen unangenehmen Menschen des internationalen Verbrechens noch als besonders unangenehm auffällt. Bald stellt sich heraus, dass die Trennung zwischen Berufsleben und Privatleben für Geheimagenten nur sehr eingeschränkt vorgesehen ist.
J. J. Abrams übernimmt die Reihe und gibt ihr etwas zurück, das zwischen den Motorradstunts des Vorgängers beinahe verloren gegangen war: persönliche Konsequenzen. Tom Cruise darf weiterhin rennen, springen und Dinge tun, die vernünftige Menschen grundsätzlich vermeiden. Doch Philip Seymour Hoffman spielt seinen Gegenspieler mit einer erschreckenden Ruhe, die jede Drohung glaubwürdig macht. *Mission: Impossible III* ist ein temporeicher Agententhriller über einen Mann, der seine Arbeit hinter sich lassen möchte und feststellen muss, dass seine Arbeit damit keineswegs einverstanden ist. Ein Problem, das in gewöhnlichen Berufen immerhin seltener mit Sprengstoff gelöst wird.
> Hudson Hawk – Der Meisterdieb USA · 1991 · 100 MIN. REGIE: MICHAEL LEHMANN
- ORIGINALTITEL
- Hudson Hawk
- GENRE
- Actionkomödie · Krimikomödie
- DREHBUCH
- Steven E. de Souza · Daniel Waters
- STORY
- Bruce Willis · Robert Kraft
- MIT
- Bruce Willis · Danny Aiello · Andie MacDowell · Richard E. Grant · Sandra Bernhard · James Coburn
- MUSIK
- Michael Kamen · Robert Kraft
- KAMERA
- Dante Spinotti
Eddie Hawkins, genannt Hudson Hawk, wird nach zehn Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Er möchte eigentlich nur einen Cappuccino trinken und sein Leben als Meisterdieb hinter sich lassen. Daraus wird nichts. Verschiedene äußerst unangenehme Menschen benötigen seine besonderen Fähigkeiten, um Kunstwerke zu stehlen, hinter denen sich ein Geheimnis aus der Zeit Leonardo da Vincis verbirgt. Bald sind die CIA, ein exzentrisches Millionärspaar und mehrere Männer mit bemerkenswert ungewöhnlichen Berufsmethoden beteiligt. Der Cappuccino muss warten.
*Hudson Hawk* ist einer jener Filme, bei denen man sich gelegentlich fragt, ob die Beteiligten überhaupt denselben Film drehen wollten. Bruce Willis spielt einen Einbrecher, der seine Raubzüge mit Popsongs synchronisiert, Richard E. Grant und Sandra Bernhard führen sich auf, als hätten sie versehentlich eine Zeichentrickwelt betreten, und die Handlung nimmt auf physikalische oder dramaturgische Wahrscheinlichkeiten nur begrenzt Rücksicht. 1991 war das ein gewaltiger Flop. Heute wirkt der Film wie ein merkwürdiges Überbleibsel aus einer Zeit, in der Hollywood gelegentlich sehr viel Geld dafür ausgab, vollkommen unvernünftig zu sein. Nicht alles funktioniert. Aber langweilig ist dieses Durcheinander selten.
> Beste Gegend DEUTSCHLAND · 2008 · 95 MIN. REGIE: MARCUS H. ROSENMÜLLER
- GENRE
- Jugendfilm · Tragikomödie
- DREHBUCH
- Karin Michalke
- MIT
- Anna Maria Sturm · Rosalie Thomass · Ferdinand Schmidt-Modrow · Stefan Murr · Peter Mitterrutzner
- MUSIK
- Gerd Baumann
- KAMERA
- Stefan Biebl
Kati und Jo haben einen Plan: Nach dem Abitur wollen sie nach Amerika. Endlich hinaus aus der bayerischen Provinz, hinein in eine Welt, in der vermutlich alles größer, aufregender und grundsätzlich anders ist. Die Vorbereitungen laufen allerdings nicht ganz so reibungslos wie erhofft. Beziehungen, Familien und die eigenen Erwartungen entwickeln eine bemerkenswerte Fähigkeit, sich zwischen zwei junge Frauen und ihre Vorstellungen von Freiheit zu stellen.
*Beste Gegend* setzt die Geschichte von *Beste Zeit* fort und interessiert sich erneut für den Moment, in dem aus jugendlichen Möglichkeiten langsam wirkliche Entscheidungen werden. Marcus H. Rosenmüller beobachtet seine Figuren mit Humor und einer leisen Melancholie. Denn die Sehnsucht nach der großen weiten Welt bedeutet nicht automatisch, dass man weiß, was man dort eigentlich sucht. Und manchmal stellt sich ausgerechnet die Gegend, aus der man unbedingt verschwinden wollte, als komplizierter heraus, als man gedacht hatte. Ein Film über Aufbruch, Freundschaft und die überraschend schwierige Frage, wo man eigentlich hingehört.
> Beste Zeit DEUTSCHLAND · 2007 · 95 MIN. REGIE: MARCUS H. ROSENMÜLLER
- GENRE
- Jugendfilm · Tragikomödie
- DREHBUCH
- Karin Michalke
- MIT
- Anna Maria Sturm · Rosalie Thomass · Ferdinand Schmidt-Modrow · Peter Mitterrutzner · Stefan Murr
- MUSIK
- Gerd Baumann
- KAMERA
- Stefan Biebl
Kati und Jo sind beste Freundinnen und leben in einem kleinen Dorf in Oberbayern. Die Schule geht langsam zu Ende, die Welt dahinter scheint riesig und die Vorstellung, das eigene Leben könnte hauptsächlich aus dem bestehen, was man bereits kennt, ist für beide nur begrenzt verlockend. Kati ist verliebt, Jo möchte weg, und zwischen Dorffesten, Familien und den ersten ernsthaften Entscheidungen beginnen sich die bisher ziemlich selbstverständlichen Verhältnisse zu verändern.
Marcus H. Rosenmüller erzählt davon mit einer Zuneigung zu seinen Figuren, die auch deren gelegentliche Dummheiten einschließt. *Beste Zeit* ist kein Film über spektakuläre Ereignisse, sondern über jene Lebensphase, in der ein einziger Sommer plötzlich darüber entscheiden kann, wer man später einmal sein möchte. Der bayerische Dialekt gehört dabei ebenso selbstverständlich zur Welt wie die Felder, die Dorfstraßen und das Gefühl, dass hinter dem nächsten Hügel möglicherweise das eigentliche Leben beginnt. Ein kleiner Film über große Erwartungen. Und über die Schwierigkeit, gleichzeitig bleiben und aufbrechen zu wollen.
> Speed USA · 1994 · 116 MIN. REGIE: JAN DE BONT
- GENRE
- Actionthriller
- DREHBUCH
- Graham Yost
- MIT
- Keanu Reeves · Sandra Bullock · Dennis Hopper · Joe Morton · Jeff Daniels
- AUSZEICHNUNGEN
- 2 Oscars
- MUSIK
- Mark Mancina
- KAMERA
- Andrzej Bartkowiak
Ein Linienbus in Los Angeles darf nicht langsamer als fünfzig Meilen pro Stunde fahren. Sonst explodiert eine Bombe. Der Polizist Jack Traven steigt während der Fahrt zu, versucht die Passagiere zu beruhigen und muss anschließend feststellen, dass ein voll besetzter Stadtbus für dauerhaft hohe Geschwindigkeiten nur eingeschränkt konstruiert wurde. Als auch noch der Fahrer ausfällt, übernimmt die zufällig anwesende Annie das Steuer. Die Straßenverkehrsordnung verliert vorübergehend ihre Gültigkeit.
Jan de Bont nimmt eine einzige absurde Idee und baut daraus einen der effektivsten Actionfilme der Neunzigerjahre. *Speed* funktioniert deshalb so gut, weil seine Regeln vollkommen klar sind: Der Bus muss weiterfahren. Alles andere wird diesem Problem untergeordnet. Keanu Reeves bleibt erstaunlich ruhig, Sandra Bullock reagiert auf die zunehmenden Zumutungen mit einer sehr menschlichen Mischung aus Panik und Pragmatismus, und Dennis Hopper sorgt dafür, dass niemand auf die Idee kommt, einfach eine Pause einzulegen. Ein Film, der beweist, dass großes Actionkino manchmal nur eine gute Idee braucht. Und ausreichend Benzin.
> Terminator 2 – Tag der Abrechnung USA / FRANKREICH · 1991 · 137 MIN. REGIE: JAMES CAMERON
- ORIGINALTITEL
- Terminator 2: Judgment Day
- GENRE
- Science-Fiction · Actionthriller
- DREHBUCH
- James Cameron · William Wisher
- MIT
- Arnold Schwarzenegger · Linda Hamilton · Edward Furlong · Robert Patrick · Joe Morton
- AUSZEICHNUNGEN
- 4 Oscars
- MUSIK
- Brad Fiedel
- KAMERA
- Adam Greenberg
Im Jahr 2029 führen Maschinen Krieg gegen die letzten Menschen. Um ihren zukünftigen Gegner John Connor bereits als Kind auszuschalten, schicken sie einen hochentwickelten Terminator in die Vergangenheit. Die menschliche Widerstandsbewegung schickt ebenfalls jemanden zurück: ein älteres Modell, das diesmal auf der richtigen Seite steht. Für Sarah Connor bedeutet das, dass sie ausgerechnet jener Maschine vertrauen muss, die Jahre zuvor versucht hat, sie umzubringen. Familienverhältnisse können kompliziert sein.
James Cameron macht aus der Fortsetzung seines kleinen, düsteren Science-Fiction-Thrillers ein gewaltiges Actionkino über Technologie, Verantwortung und die Frage, ob eine einmal eingeschlagene Zukunft noch verändert werden kann. Arnold Schwarzenegger spielt eine Maschine, die langsam menschliches Verhalten lernt, während die Menschen um sie herum zunehmend Schwierigkeiten haben, vernünftig miteinander umzugehen. *Terminator 2* war 1991 technisch seiner Zeit voraus und ist erstaunlich gut gealtert. Vielleicht auch deshalb, weil seine eigentliche Frage noch immer offen ist: Ob die Menschheit ihre Maschinen kontrollieren wird oder irgendwann umgekehrt.
> Mission: Impossible 2 USA / DEUTSCHLAND · 2000 · 123 MIN. REGIE: JOHN WOO
- ORIGINALTITEL
- Mission: Impossible II
- GENRE
- Actionthriller · Agentenfilm
- DREHBUCH
- Robert Towne
- MIT
- Tom Cruise · Dougray Scott · Thandiwe Newton · Ving Rhames · Richard Roxburgh · Anthony Hopkins
- MUSIK
- Hans Zimmer
- KAMERA
- Jeffrey Kimball
Ein ehemaliger Geheimagent hat ein tödliches Virus und das dazugehörige Gegenmittel gestohlen. Ethan Hunt soll beides zurückholen. Dafür benötigt er die Hilfe der Diebin Nyah, die zufällig auch die ehemalige Geliebte des gesuchten Mannes ist. Was als Spionageoperation beginnt, entwickelt sich zu einer Angelegenheit, bei der persönliche Gefühle, biologische Waffen und die erstaunliche Widerstandsfähigkeit menschlicher Körper zunehmend schwer voneinander zu trennen sind.
John Woo übernimmt die Reihe von Brian De Palma und beschließt, dass Geheimagenten gelegentlich weniger geheim sein sollten. Statt komplizierter Täuschungsmanöver gibt es Zeitlupen, wehende Haare, Motorräder und Menschen, die während eines Schusswechsels auffällig viel Zeit in der Luft verbringen. *Mission: Impossible 2* ist kein besonders zurückhaltender Film. Aber ein faszinierendes Dokument jener Jahrtausendwende, als Actionkino gleichzeitig vollkommen ernst und vollkommen übertrieben sein konnte. Dass zwischendurch weiße Tauben durchs Bild fliegen, ist bei John Woo keine zoologische Besonderheit, sondern eine berufliche Gewohnheit.
> Matrix USA · 1999 · 136 MIN. REGIE: LANA UND LILLY WACHOWSKI
- ORIGINALTITEL
- The Matrix
- GENRE
- Science-Fiction · Actionthriller
- DREHBUCH
- Lana und Lilly Wachowski
- MIT
- Keanu Reeves · Laurence Fishburne · Carrie-Anne Moss · Hugo Weaving · Joe Pantoliano
- AUSZEICHNUNGEN
- 4 Oscars
- MUSIK
- Don Davis
- KAMERA
- Bill Pope
Thomas Anderson arbeitet tagsüber als Programmierer und nachts unter dem Namen Neo als Hacker. Seit einiger Zeit beschäftigt ihn eine Frage: Was ist die Matrix? Die Antwort erhält er von einem Mann namens Morpheus, der ihm erklärt, dass die Welt, in der er lebt, möglicherweise gar nicht existiert. Zumindest nicht in der Form, in der er sie wahrnimmt. Neo muss sich entscheiden, ob er die vertraute Wirklichkeit behalten oder herausfinden möchte, was sich dahinter verbirgt. Die zweite Möglichkeit ist mit erheblichen Unannehmlichkeiten verbunden.
Die Wachowskis verbinden Science-Fiction, Hongkong-Action, Cyberpunk und philosophische Fragen zu einem Film, der 1999 plötzlich überall war. *Matrix* interessiert sich für die Möglichkeit, dass unsere Wahrnehmung der Welt nicht mit der Welt selbst identisch ist. Das ist ein alter Gedanke, von Platon bis Descartes. Neu war, dass man ihn mit schwarzen Ledermänteln, Zeitlupen und sehr viel Kung-Fu erzählen konnte. Ein Film, der nicht nur das Actionkino verändert hat, sondern einer ganzen Generation ein ausgesprochen unangenehmes Misstrauen gegenüber der eigenen Wirklichkeit mitgegeben hat.
> Mission: Impossible USA · 1996 · 110 MIN. REGIE: BRIAN DE PALMA
- GENRE
- Agententhriller · Action
- DREHBUCH
- David Koepp · Robert Towne
- NACH DER FERNSEHSERIE
- Bruce Geller
- MIT
- Tom Cruise · Jon Voight · Emmanuelle Béart · Henry Czerny · Jean Reno · Ving Rhames · Vanessa Redgrave
- MUSIK
- Danny Elfman
- KAMERA
- Stephen H. Burum
Ein amerikanisches Agententeam wird nach Prag geschickt, um den Diebstahl einer geheimen Liste zu verhindern. Der Einsatz endet in einer Katastrophe. Fast alle Beteiligten sterben, und ausgerechnet Ethan Hunt, der einzige Überlebende, gerät unter Verdacht. Um seine Unschuld zu beweisen, muss er herausfinden, wer ihn verraten hat. Das ist schwierig, weil in dieser Branche grundsätzlich jeder eine zweite Identität besitzt und selbst die Wahrheit gelegentlich unter falschem Namen auftritt.
Brian De Palma macht aus der alten Fernsehserie einen eleganten Spionagethriller, in dem Misstrauen wichtiger ist als Muskelkraft. Tom Cruise rennt bereits, aber noch nicht ausschließlich. Stattdessen gibt es raffinierte Täuschungen, komplizierte Operationen und eine berühmte Szene, in der ein Mann an einem Seil hängt und ein einzelner Schweißtropfen zur existenziellen Bedrohung wird. *Mission: Impossible* stammt aus einer Zeit, in der ein Agentenfilm noch hauptsächlich davon handelte, dass niemand wusste, wem er trauen konnte. Eine ausgesprochen angenehme Form der Unsicherheit.
> Stirb langsam 3 – Jetzt erst recht USA · 1995 · 128 MIN. REGIE: JOHN MCTIERNAN
- ORIGINALTITEL
- Die Hard with a Vengeance
- GENRE
- Actionthriller
- DREHBUCH
- Jonathan Hensleigh
- MIT
- Bruce Willis · Samuel L. Jackson · Jeremy Irons · Graham Greene · Colleen Camp · Larry Bryggman
- MUSIK
- Michael Kamen
- KAMERA
- Peter Menzies Jr.
John McClane hat Probleme. Seine Ehe ist gescheitert, sein Beruf liegt auf Eis und sein Verhältnis zum Alkohol könnte besser sein. Dann meldet sich ein Mann namens Simon, der damit droht, New York in die Luft zu sprengen, wenn McClane nicht eine Reihe zunehmend absurder Aufgaben erfüllt. Zufällig gerät der Ladenbesitzer Zeus Carver in die Angelegenheit und findet sich plötzlich an der Seite eines Polizisten wieder, dessen Vorstellung von Konfliktbewältigung hauptsächlich darin besteht, irgendwie am Leben zu bleiben.
John McTiernan macht aus dem dritten Teil der Reihe einen rastlosen Actionfilm, der New York selbst zum Spielfeld erklärt. Bruce Willis und Samuel L. Jackson streiten sich mit einer Energie durch die Stadt, die für mehrere Filme reichen würde, während Jeremy Irons im Hintergrund die Spielregeln verändert. *Stirb langsam 3* ist laut, schnell und bemerkenswert geschickt konstruiert. Vor allem aber erinnert er daran, dass ein guter Actionfilm nicht nur von Explosionen lebt, sondern von Figuren, denen man auch dann gern zusieht, wenn gerade nichts explodiert.
> Serpico USA / ITALIEN · 1973 · 130 MIN. REGIE: SIDNEY LUMET
- GENRE
- Polizeidrama · Thriller · Biografie
- DREHBUCH
- Waldo Salt · Norman Wexler
- NACH DEM BUCH
- Peter Maas
- MIT
- Al Pacino · John Randolph · Jack Kehoe · Biff McGuire · Barbara Eda-Young
- AUSZEICHNUNGEN
- Golden Globe für Al Pacino als bester Hauptdarsteller
- MUSIK
- Mikis Theodorakis
Frank Serpico wird Polizist in New York. Er möchte Verbrechen bekämpfen, Menschen helfen und seinen Beruf ordentlich ausüben. Das klingt zunächst nach einer ziemlich vernünftigen Vorstellung. Leider stellt er bald fest, dass zahlreiche Kollegen ihre Arbeit etwas anders verstehen. Bestechungsgelder gehören zum Alltag, und wer sie nicht annimmt, gilt nicht etwa als besonders ehrlich, sondern als unzuverlässig. Serpico weigert sich trotzdem. Damit beginnt ein Konflikt, bei dem zunehmend unklar wird, vor wem ein Polizist eigentlich mehr Angst haben sollte: vor Kriminellen oder vor den eigenen Kollegen.
Sidney Lumet erzählt die wahre Geschichte eines Mannes, dessen größtes Problem darin besteht, seinen Beruf ernst zu nehmen. Al Pacino spielt Serpico als eigenwilligen, zunehmend isolierten Idealisten, der sich weigert, die Spielregeln eines Systems zu akzeptieren, dem er selbst angehört. *Serpico* ist dabei weit mehr als ein Polizeifilm. Es geht um Loyalität, institutionelle Korruption und die unangenehme Erfahrung, dass persönliche Integrität innerhalb einer Organisation durchaus als Störung des Betriebsfriedens betrachtet werden kann. Ein bemerkenswert gegenwärtiger Film aus dem New York der frühen Siebzigerjahre.
> Green Book – Eine besondere Freundschaft USA · 2018 · 130 MIN. REGIE: PETER FARRELLY
- ORIGINALTITEL
- Green Book
- GENRE
- Roadmovie · Tragikomödie · Drama
- DREHBUCH
- Nick Vallelonga · Brian Currie · Peter Farrelly
- MIT
- Viggo Mortensen · Mahershala Ali · Linda Cardellini · Sebastian Maniscalco
- AUSZEICHNUNGEN
- 3 Oscars, darunter Bester Film und Bester Nebendarsteller
- MUSIK
- Kris Bowers
New York, 1962. Tony Vallelonga arbeitet als Türsteher und besitzt ein recht übersichtliches Weltbild. Als sein Nachtclub vorübergehend schließt, nimmt er einen ungewöhnlichen Auftrag an: Er soll den afroamerikanischen Pianisten Don Shirley auf einer Konzertreise durch die Südstaaten chauffieren. Tony redet gern, isst viel und löst Probleme vorzugsweise mit den Händen. Shirley ist hochgebildet, kultiviert und auf gesellschaftliche Umgangsformen bedacht. Die Voraussetzungen für eine harmonische Zusammenarbeit sind entsprechend überschaubar.
Peter Farrelly erzählt daraus ein Roadmovie über zwei Männer, die aus vollkommen unterschiedlichen Welten stammen und unterwegs feststellen, dass ihre Vorstellungen voneinander nur bedingt mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Viggo Mortensen und Mahershala Ali spielen dieses ungleiche Paar mit viel Witz und bemerkenswerter Wärme. Hinter der Komödie liegt allerdings ein Amerika, in dem ein gefeierter schwarzer Musiker zwar vor weißem Publikum auftreten darf, anschließend aber nicht unbedingt im selben Restaurant essen kann. *Green Book* ist ein Film über Vorurteile, Würde und die Möglichkeit, dass Menschen einander näherkommen, wenn sie lange genug gemeinsam in einem Auto sitzen. Eine Garantie dafür gibt es bekanntlich nicht.
> Shutter Island USA · 2010 · 138 MIN. REGIE: MARTIN SCORSESE
- GENRE
- Psychothriller · Mystery
- DREHBUCH
- Laeta Kalogridis
- NACH DEM ROMAN
- Dennis Lehane
- MIT
- Leonardo DiCaprio · Mark Ruffalo · Ben Kingsley · Michelle Williams · Emily Mortimer · Patricia Clarkson · Max von Sydow
- MUSIK
- Robbie Robertson (Musikzusammenstellung und -betreuung)
- KAMERA
- Robert Richardson
1954. US-Marshal Teddy Daniels reist mit seinem Kollegen Chuck auf eine abgelegene Insel vor der Küste von Massachusetts. Dort befindet sich eine psychiatrische Anstalt für besonders gefährliche Straftäter. Eine Patientin ist verschwunden. Niemand weiß, wie sie die streng bewachte Einrichtung verlassen konnte, und die Ärzte scheinen bemerkenswert wenig Interesse daran zu haben, sämtliche Fragen der Ermittler zu beantworten. Dann zieht ein Sturm auf. Die Rückfahrt fällt vorerst aus.
Martin Scorsese macht aus dieser Ausgangslage einen Psychothriller, in dem zunehmend unklar wird, wem man eigentlich noch glauben darf. Leonardo DiCaprio spielt einen Mann, der versucht, eine rätselhafte Welt mit den Mitteln der Vernunft zu ordnen, während diese Welt immer weniger bereit ist, sich ordnen zu lassen. *Shutter Island* ist gleichzeitig Detektivgeschichte, Albtraum und eine Untersuchung darüber, wie zuverlässig das menschliche Bewusstsein eigentlich arbeitet. Die Insel besitzt zahlreiche verschlossene Türen. Die interessantesten befinden sich allerdings nicht unbedingt in den Gebäuden.
> Nebraska USA · 2013 · 109 MIN. REGIE: ALEXANDER PAYNE
- GENRE
- Roadmovie · Tragikomödie · Drama
- DREHBUCH
- Bob Nelson
- MIT
- Bruce Dern · Will Forte · June Squibb · Stacy Keach · Bob Odenkirk
- AUSZEICHNUNGEN
- 6 Oscar-Nominierungen, darunter Bester Film und Bester Hauptdarsteller
- MUSIK
- Mark Orton
- KAMERA
- Phedon Papamichael
Woody Grant hat einen Brief bekommen. Darin steht, dass er möglicherweise eine Million Dollar gewonnen hat. Seine Familie erkennt darin ziemlich schnell gewöhnliche Werbepost. Woody nicht. Er möchte das Geld persönlich in Nebraska abholen und macht sich notfalls zu Fuß auf den Weg. Sein Sohn David beschließt schließlich, ihn zu fahren. Es beginnt eine Reise durch den amerikanischen Mittleren Westen, bei der ein alter Mann unbedingt reich werden möchte und sein Sohn langsam herausfindet, wie wenig er eigentlich über ihn weiß.
Alexander Payne erzählt diese Geschichte in Schwarzweiß, mit viel trockenem Humor und einer bemerkenswerten Zuneigung zu Menschen, die weder besonders erfolgreich noch besonders liebenswert sein müssen. *Nebraska* handelt vom Älterwerden, von Familiengeschichten und der schwierigen Frage, wie man einem Menschen seine Würde lässt, wenn dessen Vorstellungen von der Wirklichkeit zunehmend unzuverlässig werden. Bruce Dern spielt Woody mit einer Sturheit, gegen die selbst die amerikanische Prärie beweglich wirkt. Ein kleiner, stiller Film über eine große Illusion. Und darüber, dass manchmal nicht entscheidend ist, ob jemand tatsächlich eine Million Dollar gewonnen hat.
> Zero Dark Thirty – Die Jagd auf Osama bin Laden USA · 2012 · 148 MIN. REGIE: KATHRYN BIGELOW
- ORIGINALTITEL
- Zero Dark Thirty
- GENRE
- Politthriller · Drama
- DREHBUCH
- Mark Boal
- MIT
- Jessica Chastain · Jason Clarke · Joel Edgerton · Jennifer Ehle · Mark Strong · Kyle Chandler · Edgar Ramírez
- AUSZEICHNUNGEN
- 1 Oscar für den besten Tonschnitt
- MUSIK
- Alexandre Desplat
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 beginnt die amerikanische CIA mit der Suche nach Osama bin Laden. Jahre vergehen, Verdächtige werden verhört, Informationen gesammelt, Spuren verworfen und Menschen gefoltert. Die junge Analystin Maya ist zunehmend überzeugt, einen entscheidenden Hinweis gefunden zu haben. Leider ist eine Überzeugung innerhalb eines Geheimdienstes noch lange kein Beweis. Und ein Beweis noch lange keine Genehmigung, etwas zu unternehmen.
Kathryn Bigelow macht daraus einen ungewöhnlich nüchternen Thriller über die gewaltige Maschinerie staatlicher Macht. Jessica Chastain spielt eine Frau, deren Leben sich immer stärker auf ein einziges Ziel verengt. Während Geheimdienste, Militär und Politik versuchen, die Welt sicherer zu machen, stellt sich eine unangenehme Frage: Was geschieht mit den moralischen Maßstäben einer Gesellschaft, wenn sie ihre Feinde mit allen verfügbaren Mitteln bekämpfen will? *Zero Dark Thirty* liefert darauf keine einfache Antwort. Dafür einen Film, in dem Büroarbeit, Besessenheit und geopolitische Gewalt auf beunruhigende Weise zusammengehören.
> Die Brücke am Kwai USA / GROßBRITANNIEN · 1957 · 161 MIN. REGIE: DAVID LEAN
- ORIGINALTITEL
- The Bridge on the River Kwai
- GENRE
- Kriegsfilm / Drama
- DREHBUCH
- Michael Wilson · Carl Foreman
- NACH DEM ROMAN
- Pierre Boulle
- MIT
- William Holden · Alec Guinness · Jack Hawkins · Sessue Hayakawa
- AUSZEICHNUNGEN
- 7 Oscars, darunter Bester Film, Beste Regie und Bester Hauptdarsteller
- MUSIK
- Malcolm Arnold
Britische Kriegsgefangene sollen für die japanische Armee eine Eisenbahnbrücke im Dschungel bauen. Colonel Nicholson weigert sich zunächst, seine Offiziere zur Arbeit zu schicken. Nicht weil er grundsätzlich etwas gegen die Brücke hätte, sondern weil die Genfer Konvention etwas dagegen hat. Als er sich schließlich durchsetzt, entwickelt er einen neuen Ehrgeiz: Wenn britische Soldaten schon eine Brücke für den Feind bauen müssen, dann soll es wenigstens eine verdammt gute Brücke werden. Währenddessen bereitet ein alliiertes Kommando ihre Sprengung vor.
*Die Brücke am Kwai* interessiert sich für etwas Merkwürdigeres: Menschen können sich so vollständig mit Pflicht, Disziplin und der Qualität ihrer eigenen Arbeit identifizieren, dass irgendwann unklar wird, welchem Zweck das alles eigentlich noch dient. Alec Guinness spielt diesen Irrsinn mit beeindruckender Würde, was ihn nur noch beunruhigender macht. Großes Abenteuerkino über Krieg, Stolz und die menschliche Fähigkeit, eine Sache hervorragend zu erledigen und dabei möglicherweise vollkommen zu vergessen, warum man sie überhaupt tut.
> La La Land USA · 2016 · 123 MIN. REGIE: DAMIEN CHAZELLE
- GENRE
- Musical / Liebesfilm / Drama
- DREHBUCH
- Damien Chazelle
- MIT
- Emma Stone · Ryan Gosling · John Legend · Rosemarie DeWitt · J. K. Simmons
- AUSZEICHNUNGEN
- 6 Oscars, darunter Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin und Beste Filmmusik
- MUSIK
- Justin Hurwitz
Mia möchte Schauspielerin werden. Sebastian möchte einen eigenen Jazzclub eröffnen. Beide leben in Los Angeles, beide sind ziemlich überzeugt von ihren Träumen und beide kommen ihnen zunächst nur mäßig näher. Dann begegnen sie einander. Aus zwei individuellen Zukunftsplänen wird für eine Weile ein gemeinsamer. Das erleichtert die Angelegenheit nicht unbedingt.
*La La Land* beginnt wie die Erinnerung an ein Hollywood, in dem Menschen mitten im Alltag plötzlich zu singen und zu tanzen anfingen. Dahinter steckt jedoch ein erstaunlich erwachsener Film über die unangenehme Eigenschaft von Träumen, tatsächlich Konsequenzen zu besitzen. Emma Stone und Ryan Gosling spielen zwei Menschen, die einander helfen, diejenigen zu werden, die sie sein wollten. Ob das automatisch bedeutet, dass sie anschließend zusammengehören, ist eine andere Frage. Sehr schön, sehr bunt und am Ende erheblich melancholischer, als die ersten Tanznummern vermuten lassen.
> Lola rennt DEUTSCHLAND · 1998 · 77 MIN. REGIE: TOM TYKWER
- GENRE
- Thriller / Drama
- DREHBUCH
- Tom Tykwer
- MIT
- Franka Potente · Moritz Bleibtreu · Herbert Knaup · Nina Petri · Armin Rohde · Joachim Król
- MUSIK
- Tom Tykwer · Johnny Klimek · Reinhold Heil
Manni hat ein Problem. Er arbeitet als Geldkurier für einen Gangster und hat eine Tasche mit 100.000 Mark verloren. In zwanzig Minuten soll er das Geld abliefern. Lola, seine Freundin, beginnt zu rennen. Zwanzig Minuten später weiß man, wie die Sache ausgeht. Dann beginnt Lola noch einmal zu rennen.
Tom Tykwer nimmt eine denkbar einfache Situation und baut daraus ein kleines filmisches Versuchslabor über Zeit, Zufall und Möglichkeiten. Ein paar Sekunden früher, eine andere Begegnung auf der Straße, eine minimale Entscheidung – und plötzlich entsteht ein anderes Leben. *Lola rennt* sieht auch heute noch aus, als hätte jemand das deutsche Kino an eine Steckdose angeschlossen. Schnell, verspielt, laut und gerade einmal 77 Minuten lang. Ein Film über die beruhigende Vorstellung, dass alles auch ganz anders hätte kommen können. Und über die etwas weniger beruhigende, dass dafür manchmal wenige Sekunden genügen.
> Absolute Giganten DEUTSCHLAND · 1999 · 80 MIN. REGIE: SEBASTIAN SCHIPPER
- GENRE
- Drama / Tragikomödie
- DREHBUCH
- Sebastian Schipper
- MIT
- Frank Giering · Florian Lukas · Antoine Monot Jr. · Julia Hummer · Jochen Nickel
- MUSIK
- The Notwist
Floyd hat beschlossen, Hamburg zu verlassen. Am nächsten Morgen geht sein Schiff, doch vorher bleiben ihm noch eine Nacht und seine beiden Freunde Ricco und Walter. Was macht man mit den letzten gemeinsamen Stunden, wenn allen klar ist, dass danach etwas vorbei sein wird? Man fährt durch die Stadt, trifft Menschen, gerät in Schwierigkeiten und spielt irgendwann Tischfußball gegen Männer, gegen die man besser nicht Tischfußball spielen sollte.
*Absolute Giganten* handelt von Freundschaft in jenem kurzen Moment des Lebens, in dem man noch glaubt, alles könne für immer so bleiben, während man gleichzeitig längst weiß, dass es nicht stimmt. Sebastian Schipper braucht dafür keine große Geschichte. Drei Freunde, Hamburg bei Nacht und dieses eigentümliche Gefühl, dass ein gewöhnlicher Abend plötzlich wichtig wird, weil er der letzte seiner Art ist. Ein kleiner deutscher Film über Abschied, Freundschaft und die Tatsache, dass manche Nächte erst Jahre später ihre tatsächliche Größe erreichen.
> Die Kunst zu gewinnen – Moneyball USA · 2011 · 128 MIN. REGIE: BENNETT MILLER
- ORIGINALTITEL
- Moneyball
- GENRE
- Sportdrama
- DREHBUCH
- Steven Zaillian · Aaron Sorkin
- NACH DEM BUCH
- Michael Lewis
- MIT
- Brad Pitt · Jonah Hill · Philip Seymour Hoffman · Chris Pratt · Robin Wright
Billy Beane leitet die Oakland Athletics, ein Baseballteam mit einem unangenehmen Problem: Die reichen Vereine können sich die besten Spieler kaufen, Oakland nicht. Statt mehr Geld aufzutreiben, versucht Beane deshalb etwas anderes. Gemeinsam mit dem jungen Ökonomen Peter Brand beginnt er, Spieler nach statistischen Daten auszuwählen. Das führt zu einer Mannschaft voller Männer, die das traditionelle Baseballsystem aus verschiedenen Gründen für nicht besonders wertvoll hält.
Man muss Baseball ungefähr so gut verstehen wie Quantenmechanik, um *Moneyball* sehen zu können. Denn eigentlich geht es um etwas anderes: Was passiert, wenn Erfahrung und Bauchgefühl auf Daten treffen, die behaupten, es besser zu wissen? Brad Pitt spielt einen Mann, der nicht einfach gewinnen möchte, sondern herausfinden will, ob das Spiel nach den falschen Regeln denkt. Das macht *Moneyball* zu einem ungewöhnlich spannenden Film über Statistik, Arbeit, Widerstand gegen Veränderungen und die schwierige Kunst, eine gute Idee durchzusetzen, während fast alle anderen überzeugt sind, dass sie Unsinn ist. Baseball findet ebenfalls statt.
> Michael Clayton USA · 2007 · 114 MIN. REGIE: TONY GILROY
- GENRE
- Thriller / Drama
- DREHBUCH
- Tony Gilroy
- MIT
- George Clooney · Tilda Swinton · Tom Wilkinson · Sydney Pollack
Michael Clayton arbeitet für eine große New Yorker Anwaltskanzlei. Er ist kein glänzender Prozessanwalt, sondern der Mann, den man ruft, wenn etwas verschwinden, beruhigt oder diskret repariert werden muss. Dann verliert ein Kollege während eines milliardenschweren Verfahrens zunehmend die Kontrolle und behauptet gleichzeitig, der eigene Mandant habe sehr gute Gründe, die Wahrheit über einen gefährlichen Konzern geheim zu halten. Clayton beginnt nachzusehen. Für einen professionellen Problemlöser ist das möglicherweise ein Fehler.
*Michael Clayton* stammt aus jener inzwischen selten gewordenen Gattung des erwachsenen amerikanischen Thrillers, in dem Menschen Anzüge tragen, miteinander reden und trotzdem eine beträchtliche Gefahr entsteht. George Clooney spielt einen Mann, der lange genug Teil eines Systems war, um genau zu wissen, wie es funktioniert. Tilda Swinton zeigt gleichzeitig, was passieren kann, wenn ein Mensch versucht, moralische Panik mit professioneller Effizienz zu organisieren. Ein kühler, präziser Film über Loyalität, Schuld und den Moment, in dem ein gut bezahlter Angestellter beschließt, doch einmal genauer hinzusehen.
> Der Gefangene von Alcatraz USA · 1962 · 143 MIN. REGIE: JOHN FRANKENHEIMER
- ORIGINALTITEL
- Birdman of Alcatraz
- GENRE
- Drama / Biografie
- DREHBUCH
- Guy Trosper
- NACH DEM BUCH
- Thomas E. Gaddis
- MIT
- Burt Lancaster · Karl Malden · Thelma Ritter · Betty Field · Telly Savalas · Neville Brand
Robert Stroud sitzt im Gefängnis. Sehr lange. Nach einem weiteren Gewaltausbruch wird seine Strafe sogar in lebenslange Einzelhaft umgewandelt. Dann findet er einen verletzten Vogel. Aus der zunächst wenig spektakulären Bekanntschaft entwickelt sich eine Beschäftigung, die Stroud über Jahrzehnte zum autodidaktischen Experten für Vogelkrankheiten macht. Die Gefängnisverwaltung ist davon nur begrenzt begeistert. Ein Gefangener soll schließlich vor allem eines tun: Gefangener sein.
John Frankenheimer erzählt daraus keinen sentimentalen Film über einen eigentlich guten Mann, der zu Unrecht eingesperrt wurde. Stroud bleibt schwierig, stolz und widersprüchlich. Gerade deshalb wird Burt Lancasters Darstellung so interessant. *Der Gefangene von Alcatraz* handelt von der Frage, wie viel Freiheit einem Menschen noch bleibt, wenn ihm fast jede äußere Freiheit genommen wurde. Die Antwort hat überraschend viel mit Vögeln zu tun. Und erstaunlich wenig mit Alcatraz.
> Der Ghostwriter FRANKREICH / DEUTSCHLAND / GROßBRITANNIEN / BELGIEN · 2010 · 121 MIN. REGIE: ROMAN POLANSKI
- ORIGINALTITEL
- The Ghost Writer
- GENRE
- Politthriller
- DREHBUCH
- Robert Harris · Roman Polanski
- NACH DEM ROMAN
- Robert Harris
- MIT
- Ewan McGregor · Pierce Brosnan · Olivia Williams · Kim Cattrall · Tom Wilkinson · Timothy Hutton · Jim Belushi
- MUSIK
- Alexandre Desplat
- KAMERA
- Paweł Edelman
Ein namenloser Ghostwriter erhält einen ausgesprochen gut bezahlten Auftrag: Er soll die Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang fertigstellen. Sein Vorgänger ist allerdings gerade unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Auf einer windigen Insel beginnt der neue Autor im hinterlassenen Manuskript zu lesen und entdeckt dabei Hinweise darauf, dass die politische Vergangenheit seines Auftraggebers möglicherweise interessanter ist als die geplante Autobiografie.
Roman Polanski macht daraus einen Politthriller, in dem grauer Himmel, moderne Architektur und ein Manuskript genügen, um ein beträchtliches Gefühl des Unbehagens zu erzeugen. Ewan McGregor spielt einen Mann, der beruflich dafür bezahlt wird, die Geschichte eines anderen zu ordnen, und dabei feststellen muss, dass manche Geschichten großen Wert darauf legen, ungeordnet zu bleiben. Pierce Brosnan wiederum besitzt genau die richtige Mischung aus Charme und Undurchsichtigkeit. Ein kühler, eleganter Film über Macht, Loyalität und die möglicherweise gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen gründlicher Recherche.
> Die Klapperschlange USA · 1981 · 95 MIN. REGIE: JOHN CARPENTER
- ORIGINALTITEL
- Escape from New York
- GENRE
- Science-Fiction · Actionthriller
- DREHBUCH
- John Carpenter · Nick Castle
- MIT
- Kurt Russell · Lee Van Cleef · Ernest Borgnine · Donald Pleasence · Isaac Hayes · Harry Dean Stanton · Adrienne Barbeau
- MUSIK
- John Carpenter · Alan Howarth
1997. Manhattan ist inzwischen keine besonders teure Wohngegend mehr, sondern ein vollständig abgeriegeltes Hochsicherheitsgefängnis. Als das Flugzeug des amerikanischen Präsidenten ausgerechnet dort abstürzt, bekommt der verurteilte Exsoldat Snake Plissken einen Auftrag: Präsident hinein, Präsident heraus. Damit Snake währenddessen nicht auf alternative Lebensentwürfe kommt, trägt er zusätzlich zwei kleine Sprengladungen im Körper.
John Carpenter braucht nicht viel, um eine Welt zu bauen: ein nächtliches New York, ein paar Ruinen, elektronische Musik und Kurt Russell mit Augenklappe. Die Klapperschlange ist gleichzeitig Actionfilm, dystopische Science-Fiction und erstaunlich trockene Betrachtung eines Staates, dessen Lösungen inzwischen ungefähr so kaputt sind wie seine Probleme. Vieles daran wurde später hundertfach kopiert. Snake Plissken wirkt davon unbeeindruckt. Vermutlich wäre ihm auch das ziemlich egal.
> Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß FRANKREICH · 1967 · 84 MIN. REGIE: JEAN-LUC GODARD
- ORIGINALTITEL
- 2 ou 3 choses que je sais d'elle
- GENRE
- Drama · Essayfilm
- DREHBUCH
- Jean-Luc Godard
- MIT
- Marina Vlady · Anny Duperey · Roger Montsoret · Raoul Lévy · Jean Narboni
- KAMERA
- Raoul Coutard
Juliette lebt mit Mann und Kind in einem neuen Pariser Vorort, kauft Kleider, trinkt Kaffee, erledigt ihren Alltag und arbeitet gelegentlich als Prostituierte. Das klingt zunächst nach einer Handlung. Jean-Luc Godard betrachtet eine Handlung allerdings eher als unverbindlichen Vorschlag. Während Juliette durch einen Tag geht, beobachtet der Film gleichzeitig Paris, Konsum, Werbung, Sprache, Politik und sogar sich selbst beim Filmemachen.
Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß stammt aus einer Zeit, in der Kino offenbar noch überzeugt war, gleichzeitig eine Frau, eine Stadt und den Zustand der westlichen Zivilisation untersuchen zu können. Godard lässt Menschen reden, Bilder widersprechen und eine Kaffeetasse kurzzeitig ungefähr so bedeutend erscheinen wie das Universum. Wer eine sauber erzählte Geschichte erwartet, könnte Schwierigkeiten bekommen. Wer erleben möchte, was passieren kann, wenn ein Film anfängt, über die Welt nachzudenken, findet hier 84 bemerkenswert neugierige Minuten.
> Besser geht's nicht USA · 1997 · 134 MIN. REGIE: JAMES L. BROOKS
- ORIGINALTITEL
- As Good as It Gets
- GENRE
- Tragikomödie / Liebesfilm
- DREHBUCH
- Mark Andrus · James L. Brooks
- MIT
- Jack Nicholson · Helen Hunt · Greg Kinnear · Cuba Gooding Jr. · Skeet Ulrich · Shirley Knight
- AUSZEICHNUNGEN
- 2 Oscars: Jack Nicholson als bester Hauptdarsteller und Helen Hunt als beste Hauptdarstellerin
- MUSIK
- Hans Zimmer
Melvin Udall schreibt erfolgreiche Liebesromane, obwohl der Umgang mit wirklichen Menschen nicht zu seinen ausgeprägtesten Fähigkeiten gehört. Er beleidigt Nachbarn, tyrannisiert seine Umwelt und organisiert seinen Alltag nach einem komplizierten System aus Ritualen und Vermeidungsstrategien. Dann muss er plötzlich auf den Hund seines verletzten Nachbarn aufpassen. Gleichzeitig zwingt ihn die Kellnerin Carol dazu, zur Kenntnis zu nehmen, dass auch andere Menschen Probleme besitzen.
James L. Brooks macht daraus keine einfache Geschichte darüber, wie aus einem unangenehmen Menschen ein netter wird. Besser geht's nicht interessiert sich vielmehr für drei ziemlich beschädigte Erwachsene, die einander ausgerechnet deshalb helfen können, weil keiner von ihnen besonders gut darin ist, das Leben allein zu bewältigen. Jack Nicholson darf dabei zwei Stunden lang nahezu unerträglich sein und schafft es trotzdem, dass man Melvin nicht aufgibt. Helen Hunt hält bemerkenswert erfolgreich dagegen. Und irgendwo dazwischen befindet sich ein kleiner Hund, der schneller versteht als die meisten Beteiligten, wie menschliche Beziehungen funktionieren.
> Der Pate 2 USA · 1974 · 191 MIN. REGIE: FRANCIS FORD COPPOLA
- ORIGINALTITEL
- The Godfather Part II
- GENRE
- Gangsterdrama
- DREHBUCH
- Francis Ford Coppola · Mario Puzo
- NACH FIGUREN UND DEM ROMAN VON
- Mario Puzo
- MIT
- Al Pacino · Robert De Niro · Robert Duvall · Diane Keaton · John Cazale · Talia Shire · Lee Strasberg · Michael V. Gazzo
- AUSZEICHNUNGEN
- 6 Oscars, darunter Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch und Robert De Niro als bester Nebendarsteller
- MUSIK
- Nino Rota
- KAMERA
- Gordon Willis
Michael Corleone hat die Geschäfte der Familie übernommen und besitzt inzwischen beinahe alles, was sein Vater aufgebaut hat: Geld, Einfluss und die Fähigkeit, Menschen dazu zu bringen, sehr sorgfältig über ihre nächsten Worte nachzudenken. Während Michael versucht, das Imperium weiter auszubauen, erzählt der Film zugleich, wie der junge Vito Corleone Jahrzehnte zuvor als Einwanderer in New York überhaupt damit begonnen hat, eines zu errichten.
Der Pate 2 macht etwas Ungewöhnliches: Er setzt einen großen Film fort und wird dabei noch größer, ohne einfach mehr vom Gleichen zu liefern. Coppola stellt Aufstieg und Zerfall nebeneinander. Robert De Niros Vito gewinnt mit wachsender Macht eine Familie und einen Platz in der Welt; Al Pacinos Michael verliert mit derselben Macht zunehmend beides. Daraus entstehen mehr als drei Stunden über Familie, Einwanderung, Kapitalismus, Loyalität und den bemerkenswert hohen Preis menschlicher Kontrolle. Wer nach dem ersten Teil wissen wollte, was aus Michael Corleone wird, erhält eine sehr ausführliche Antwort. Eine beruhigende ist es nicht.
> Der General USA · 1926 · 78 MIN. REGIE: BUSTER KEATON / CLYDE BRUCKMAN
- ORIGINALTITEL
- The General
- GENRE
- Stummfilmkomödie / Abenteuer
- DREHBUCH
- Buster Keaton · Clyde Bruckman
- NACH EINER VORLAGE
- William Pittenger
- MIT
- Buster Keaton · Marion Mack · Charles Smith · Frank Barnes · Glen Cavender · Jim Farley
- BILD
- Stummfilm
Johnnie Gray liebt zwei Dinge: Annabelle und seine Lokomotive, die „General“. Als der amerikanische Bürgerkrieg beginnt, möchte er Soldat werden, wird aber abgelehnt, weil man ihn als Lokführer dringender braucht. Annabelle hält das für Feigheit. Als nordstaatliche Soldaten später ausgerechnet die „General“ stehlen und Annabelle unfreiwillig mitnehmen, erhält Johnnie Gelegenheit, seine Prioritäten noch einmal sehr praktisch zu demonstrieren.
Fast hundert Jahre später sieht man Buster Keaton dabei zu, wie er auf fahrenden Lokomotiven herumklettert, Eisenbahnen verfolgt und mit vollkommen unbewegtem Gesicht Dinge tut, für die heutige Produktionen vermutlich mehrere Computer und eine Versicherungsabteilung benötigen würden. Der General ist präzise gebaut, erstaunlich schnell und tatsächlich noch immer komisch. Gleichzeitig ist er ein schönes Gegenmittel gegen die Vorstellung, alte Filme müsse man hauptsächlich aus historischem Pflichtgefühl ansehen. Manche Maschinen funktionieren einfach weiter.
> Der Pate USA · 1972 · 175 MIN. REGIE: FRANCIS FORD COPPOLA
- ORIGINALTITEL
- The Godfather
- GENRE
- Gangsterdrama
- DREHBUCH
- Mario Puzo · Francis Ford Coppola
- NACH DEM ROMAN
- Mario Puzo
- MIT
- Marlon Brando · Al Pacino · James Caan · Robert Duvall · Diane Keaton · John Cazale · Talia Shire
- MUSIK
- Nino Rota
New York, 1945. Don Vito Corleone führt seine Familie nach Regeln, die mit dem amerikanischen Strafgesetzbuch nur teilweise kompatibel sind. Sein jüngster Sohn Michael hält sich zunächst von den Geschäften fern. Als ein Anschlag auf den Vater das Machtgefüge erschüttert, wird ausgerechnet derjenige Sohn in die Familie hineingezogen, der eigentlich ein anderes Leben führen wollte.
Über Der Pate ist in fünfzig Jahren beinahe alles gesagt worden. Erstaunlicherweise hilft das wenig, sobald man ihn wieder ansieht. Coppola erzählt keinen Film über coole Gangster, sondern über Familie, Macht und die langsame Veränderung eines Menschen, der glaubt, selbst entscheiden zu können, wo seine moralischen Grenzen liegen. Marlon Brando ist der alte Mittelpunkt, Al Pacino die eigentliche Bewegung des Films. Dazwischen liegen drei Stunden Kino, in denen Hochzeiten, Abendessen und Gespräche bedrohlicher werden können als Schießereien. Ein Klassiker ist manchmal schlicht ein Film, bei dem die Menschheit ausnahmsweise mit ihrer Einschätzung richtiglag.
> Local Hero GROßBRITANNIEN · 1983 · 111 MIN. REGIE: BILL FORSYTH
- GENRE
- Tragikomödie
- DREHBUCH
- Bill Forsyth
- MIT
- Peter Riegert · Burt Lancaster · Denis Lawson · Fulton Mackay · Peter Capaldi · Jenny Seagrove
- MUSIK
- Mark Knopfler
MacIntyre arbeitet für einen texanischen Ölkonzern und wird nach Schottland geschickt, um ein kleines Küstendorf aufzukaufen. Dort soll eine Raffinerie entstehen. Was zunächst nach einem überschaubaren Geschäftsvorgang aussieht, wird komplizierter, weil die Dorfbewohner überraschend gern verkaufen möchten und MacIntyre seinerseits langsam entdeckt, dass ein Ort einen Wert besitzen kann, der in keiner Kalkulationstabelle vorgesehen ist.
Bill Forsyth macht daraus einen wunderbar stillen Film über Fortschritt, Geld und die merkwürdige menschliche Fähigkeit, manchmal erst in der Fremde zu bemerken, was einem fehlt. Burt Lancaster beobachtet derweil in Texas den Himmel, Mark Knopfler liefert eine dieser Filmmusiken, die anschließend im eigenen Gedächtnis wohnen bleiben, und Schottland erledigt den Rest. Local Hero ist komisch, melancholisch und vollkommen unaufgeregt. Ein Film für Menschen, die gelegentlich den Verdacht haben, dass Erfolg und ein gutes Leben möglicherweise zwei verschiedene Dinge sind.
> Nikita FRANKREICH / ITALIEN · 1990 · 110 MIN. REGIE: LUC BESSON
- GENRE
- Actionthriller
- DREHBUCH
- Luc Besson
- MIT
- Anne Parillaud · Jean-Hugues Anglade · Tchéky Karyo · Jeanne Moreau · Jean Reno
Nikita ist jung, drogenabhängig und nach einem blutigen Einbruch in eine Apotheke zu lebenslanger Haft verurteilt. Dann erhält sie ein Angebot des Staates: offiziell sterben, eine neue Identität bekommen und zur Spezialagentin ausgebildet werden. Die zweite Chance im Leben beinhaltet allerdings regelmäßige Aufträge, bei denen andere Menschen erheblich weniger davon erhalten.
Luc Besson macht daraus einen ebenso stilisierten wie erstaunlich melancholischen Actionfilm. Im Zentrum steht nicht die Frage, ob Nikita das Töten lernen kann, sondern ob sie danach noch ein eigenes Leben führen darf. Anne Parillaud spielt sie gleichzeitig wild, verletzlich und unberechenbar, während um sie herum Männer versuchen, aus einem Menschen ein funktionierendes Werkzeug zu bauen. Sehr französisch, sehr 1990 und mit jener Sorte filmischer Coolness ausgestattet, die später oft kopiert wurde. Das Original besitzt zusätzlich etwas, das sich schwieriger nachbauen lässt: eine Seele.
> The Founder USA · 2016 · 115 MIN. REGIE: JOHN LEE HANCOCK
- GENRE
- Biografisches Drama
- DREHBUCH
- Robert Siegel
- MIT
- Michael Keaton · Nick Offerman · John Carroll Lynch · Laura Dern · Linda Cardellini · B. J. Novak · Patrick Wilson
Ray Kroc verkauft Milchshake-Maschinen und ist damit nicht besonders erfolgreich. Dann entdeckt er in Kalifornien ein kleines Restaurant der Brüder Richard und Maurice McDonald. Dort werden Hamburger in dreißig Sekunden ausgegeben, die Küche funktioniert wie eine Maschine und Kroc erkennt sofort, dass er etwas Außergewöhnliches gefunden hat. Die Brüder haben ein Restaurant erfunden. Kroc sieht ein Imperium.
The Founder erzählt die Entstehung von McDonald’s deshalb weniger als Erfolgsgeschichte denn als ziemlich lehrreiche Untersuchung des amerikanischen Traums. Michael Keaton spielt Ray Kroc als Mann, dessen Beharrlichkeit zunächst bewundernswert wirkt und irgendwann nur noch schwer von Rücksichtslosigkeit zu unterscheiden ist. Besonders interessant ist dabei, dass die eigentlichen Erfinder durchaus wissen, was ihnen wichtig ist. Sie treffen lediglich auf jemanden, dem Wachstum wichtiger ist. Ein Film über Unternehmergeist, Eigentum und die unangenehme Erkenntnis, dass eine gute Idee nicht zwangsläufig demjenigen gehört, der sie hatte.
> Die Outsider – Rebellen ohne Grund USA / FRANKREICH · 1983 · 115 MIN. REGIE: FRANCIS FORD COPPOLA
- ORIGINALTITEL
- The Outsiders
- GENRE
- Jugenddrama
- NACH DEM ROMAN
- S. E. Hinton
- MIT
- C. Thomas Howell · Matt Dillon · Ralph Macchio · Patrick Swayze · Rob Lowe · Emilio Estevez · Tom Cruise · Diane Lane
- FASSUNG
- The Complete Novel
Tulsa, Oklahoma, in den 1960er-Jahren. Ponyboy gehört zu den Greasers, Jugendlichen aus der ärmeren Seite der Stadt. Auf der anderen stehen die wohlhabenden Socs. Beide Gruppen haben Frisuren, Freunde und ziemlich genaue Vorstellungen davon, wen sie zu hassen haben. Nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung wird aus dem ritualisierten Kampf zwischen Jugendlichen plötzlich etwas sehr Reales.
Francis Ford Coppola erzählt das mit erstaunlich viel Zärtlichkeit. Die Outsider handelt von Klasse und Gewalt, vor allem aber von jungen Männern, die verzweifelt versuchen, füreinander Familie zu sein. Dass hier beinahe nebenbei Matt Dillon, Patrick Swayze, Ralph Macchio, Rob Lowe, Emilio Estevez und ein sehr junger Tom Cruise herumlaufen, wirkt rückblickend wie ein Fehler in der Besetzungsdatenbank. Unter all den späteren Stars bleibt jedoch die einfache Erkenntnis des Films bestehen: Auf welcher Straßenseite man geboren wird, entscheidet über erstaunlich viel – darüber, wer man wird, noch lange nicht.
> Million Dollar Baby USA · 2004 · 128 MIN. REGIE: CLINT EASTWOOD
- GENRE
- Drama
- DREHBUCH
- Paul Haggis
- MIT
- Hilary Swank · Clint Eastwood · Morgan Freeman
- AUSZEICHNUNGEN
- 4 Oscars: Bester Film, Regie, Hauptdarstellerin, Nebendarsteller
Maggie Fitzgerald hat wenig Geld, wenig Talentförderung und ein Alter, in dem vernünftige Menschen offenbar damit beginnen sollen, ihre Träume gegen realistischere Beschäftigungen einzutauschen. Sie möchte Profiboxerin werden. Der alte Trainer Frankie Dunn möchte sie zunächst vor allem nicht trainieren. Damit sind die Ausgangsbedingungen geklärt.
Million Dollar Baby sieht eine Weile aus wie ein klassischer amerikanischer Sportfilm über Disziplin, Niederlagen und Aufstieg. Clint Eastwood interessiert sich jedoch für etwas anderes: für zwei einsame Menschen, die einander brauchen, ohne das besonders gut sagen zu können. Ein stiller, hervorragend gespielter Film über Würde, Verantwortung und die merkwürdige menschliche Angewohnheit, manchmal erst sehr spät herauszufinden, wer zur eigenen Familie gehört.
> Der einzige Zeuge USA · 1985 · 112 MIN. REGIE: PETER WEIR
- ORIGINALTITEL
- Witness
- GENRE
- Thriller · Drama
- DREHBUCH
- Earl W. Wallace · William Kelley
- MIT
- Harrison Ford · Kelly McGillis · Lukas Haas · Josef Sommer · Alexander Godunov
- AUSZEICHNUNGEN
- 2 Oscars: Bestes Originaldrehbuch und Bester Schnitt
Ein kleiner Amish-Junge beobachtet auf einem Bahnhof einen Mord. Polizist John Book soll ihn schützen und entdeckt dabei, dass die Gefahr aus den eigenen Reihen kommt. Verwundet flieht er mit dem Jungen und dessen Mutter in ihre abgeschiedene Gemeinschaft. Dort sind Schusswaffen, Großstadtpolizisten und Harrison Fords übliche Methoden zur Problemlösung nur bedingt vorgesehen.
Peter Weir macht aus dieser Ausgangslage etwas viel Interessanteres als einen gewöhnlichen Polizeithriller. Zwei Welten treffen aufeinander: Gewalt und Pazifismus, Großstadt und Landwirtschaft, individuelle Leidenschaft und Gemeinschaft. Dazwischen entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die gerade deshalb berührt, weil der Film weiß, dass nicht jede Begegnung zweier Menschen zwangsläufig in ein gemeinsames Leben münden muss. Spannend, ruhig und wunderschön fotografiert – und ein gutes Beispiel dafür, dass großes Hollywoodkino einmal gleichzeitig Thriller, Liebesfilm und Beobachtung einer fremden Lebensweise sein durfte.
> Match Point GROßBRITANNIEN / LUXEMBURG / USA · 2005 · CA. 124 MIN. REGIE: WOODY ALLEN
- GENRE
- Drama · Thriller
- DREHBUCH
- Woody Allen
- MIT
- Jonathan Rhys Meyers · Scarlett Johansson · Emily Mortimer · Matthew Goode · Brian Cox · Penelope Wilton
- AUSZEICHNUNGEN
- Oscar-Nominierung: Bestes Originaldrehbuch
Chris Wilton hat seine Karriere als Tennisprofi beendet und entdeckt in London eine wesentlich angenehmere Möglichkeit des gesellschaftlichen Aufstiegs: die Bekanntschaft mit einer sehr wohlhabenden Familie. Bald besitzt er eine gute Stellung, eine passende Frau und Zugang zu einer Welt, deren Türen für andere Menschen gewöhnlich geschlossen bleiben. Dann begegnet er Nola. Sie passt leider nicht in den Plan.
Match Point beginnt wie ein elegantes Gesellschafts- und Beziehungsdrama und zieht die Schrauben anschließend langsam an. Woody Allen interessiert sich dabei weniger für Moral als für eine beunruhigendere Frage: Wie viel unseres Lebens hängt tatsächlich davon ab, was wir verdienen – und wie viel schlicht davon, wo der Ball nach Berührung der Netzkante landet? Scarlett Johansson und Jonathan Rhys Meyers spielen zwei Menschen, deren Begehren zunehmend gefährlicher wird. Ein kalter, präziser Film über Klasse, Schuld und Glück. Für Menschen, die gern daran glauben, das Universum verfüge über einen eingebauten Gerechtigkeitsmechanismus, liegen leider keine guten Nachrichten vor.
> Die Firma USA · 1993 · 154 MIN. REGIE: SYDNEY POLLACK
- ORIGINALTITEL
- The Firm
- GENRE
- Thriller
- NACH DEM ROMAN
- John Grisham
- MIT
- Tom Cruise · Gene Hackman · Jeanne Tripplehorn · Ed Harris · Holly Hunter · David Strathairn
- MUSIK
- Dave Grusin
Mitch McDeere hat gerade sein Jurastudium abgeschlossen und bekommt ein Angebot, das vernünftige Menschen nur schwer ablehnen können: hervorragendes Gehalt, Haus, Auto und eine Stelle in einer angesehenen Kanzlei. Leider gehört zu den weniger offensiv beworbenen Zusatzleistungen, dass ehemalige Mitarbeiter eine auffällig geringe Lebenserwartung besitzen.
Die Firma stammt aus einer Zeit, in der ein großer Hollywood-Thriller noch zweieinhalb Stunden dauern, erwachsene Menschen bei der Arbeit zeigen und darauf vertrauen durfte, dass Verträge, Akten und Gespräche ausreichend Spannung erzeugen. Tom Cruise rennt trotzdem gelegentlich. Sydney Pollack baut aus John Grishams Geschichte einen ausgesprochen eleganten Film über Erfolg, Loyalität und die unangenehme Erkenntnis, dass ein perfektes System möglicherweise deshalb so perfekt funktioniert, weil niemand es verlassen darf. Ein hervorragender Vertreter des großen amerikanischen 90er-Jahre-Thrillers.
> Sturm über Washington USA · 1962 · 139 MIN. REGIE: OTTO PREMINGER
- ORIGINALTITEL
- Advise & Consent
- GENRE
- Politdrama
- NACH DEM ROMAN
- Allen Drury
- MIT
- Henry Fonda · Charles Laughton · Don Murray · Walter Pidgeon · Gene Tierney · Franchot Tone
Der amerikanische Präsident möchte Robert Leffingwell zum Außenminister machen. Dafür benötigt er die Zustimmung des Senats. Was nach einem überschaubaren Verwaltungsvorgang klingt, setzt eine Maschine aus Anhörungen, politischen Bündnissen, persönlichen Feindschaften, Erpressung und alten Geheimnissen in Bewegung. Menschen besitzen schließlich Vergangenheit. Politiker bedauerlicherweise ebenfalls.
Otto Preminger macht aus parlamentarischen Verfahren einen Thriller, ohne dafür das Parlament verlassen zu müssen. Sturm über Washington ist über sechzig Jahre alt und beobachtet trotzdem erstaunlich vertraute Mechanismen: Wie viel persönliche Moral verträgt politische Macht? Wann wird aus Kompromiss Korruption? Und was geschieht, wenn nicht mehr die Sache angegriffen wird, sondern der Mensch dahinter? Ein ungewöhnlich intelligenter politischer Film, der darauf vertraut, dass Erwachsene beim Reden spannend sein können. Ein inzwischen beinahe exotisches Konzept.
> Banditen! USA · 2001 · CA. 123 MIN. REGIE: BARRY LEVINSON
- ORIGINALTITEL
- Bandits
- GENRE
- Krimikomödie
- DREHBUCH
- Harley Peyton
- MIT
- Bruce Willis · Billy Bob Thornton · Cate Blanchett · Troy Garity
Joe und Terry brechen aus dem Gefängnis aus und entwickeln anschließend eine bemerkenswert höfliche Form des Bankraubs. Statt mit gezogener Waffe in Filialen zu stürmen, besuchen sie die Bankdirektoren bereits am Vorabend zu Hause, verbringen die Nacht bei deren Familien und gehen am nächsten Morgen gemeinsam zur Arbeit. Das Geschäftsmodell funktioniert ausgezeichnet, bis Kate auftaucht und sich in das ohnehin nicht vollkommen stabile Verhältnis der beiden Männer einmischt.
Barry Levinson macht daraus eine entspannte Mischung aus Gangsterfilm, Roadmovie und Dreiecksgeschichte. Bruce Willis darf charmant sein, Billy Bob Thornton verwandelt Hypochondrie in eine Lebensform und Cate Blanchett bringt in die sorgfältig organisierte Kriminalität genau jene Variable ein, mit der menschliche Systeme traditionell Schwierigkeiten haben: einen weiteren Menschen. Kein Film über die großen Fragen der Existenz. Dafür ein ausgesprochen angenehmer über Freundschaft, Liebe und die überraschende Komplexität eines eigentlich gut geplanten Banküberfalls.
> Rosemaries Baby USA · 1968 · 135 MIN. REGIE: ROMAN POLANSKI
- ORIGINALTITEL
- Rosemary’s Baby
- GENRE
- Psychologischer Horror
- DREHBUCH
- Roman Polanski
- NACH DEM ROMAN
- Ira Levin
- MIT
- Mia Farrow · John Cassavetes · Ruth Gordon · Sidney Blackmer · Maurice Evans
Rosemarie und ihr Mann Guy ziehen in eine prächtige New Yorker Wohnung. Die Nachbarn sind freundlich. Sehr freundlich. Guy findet beruflich plötzlich sein Glück, Rosemarie wird schwanger und nach und nach entsteht der ungute Verdacht, dass die Menschen um sie herum erheblich besser über ihre Schwangerschaft informiert sind als sie selbst.
Rosemaries Baby braucht kaum Blut, Monster oder Schockeffekte. Das Grauen entsteht daraus, dass einer Frau systematisch erklärt wird, ihre Wahrnehmung sei falsch und alle anderen wüssten besser, was gut für sie ist. Mia Farrow macht diese zunehmende Isolation beinahe körperlich spürbar. Mehr als ein halbes Jahrhundert später ist das noch immer außerordentlich unangenehm anzusehen. Vermutlich ein Qualitätsmerkmal.
> The Card Counter USA / GROßBRITANNIEN / CHINA · 2021 · 108 MIN. REGIE: PAUL SCHRADER
- GENRE
- Thriller · Drama
- DREHBUCH
- Paul Schrader
- MIT
- Oscar Isaac · Tiffany Haddish · Tye Sheridan · Willem Dafoe
William Tell zählt Karten. Er spielt kleine Casinos, gewinnt gerade genug und zieht weiter. Ein überschaubares Leben mit überschaubarem Risiko. Das ist Absicht. Denn bevor Tell professioneller Glücksspieler wurde, war er Soldat in Abu Ghraib und anschließend zehn Jahre im Gefängnis. Als er einem jungen Mann begegnet, der sich an einem ehemaligen Militärausbilder rächen will, beginnt die sorgfältig eingerichtete Ordnung zu zerfallen.
Paul Schrader interessiert sich erwartungsgemäß weniger für Poker als für Schuld. Oscar Isaac spielt einen Mann, der jede Karte am Tisch berechnen kann, aber keine Formel dafür findet, was ein Mensch mit seiner Vergangenheit anfangen soll. The Card Counter ist entsprechend kein lässiger Casinofilm, sondern ein stiller, zunehmend dunkler Film über Verantwortung, Strafe und die schwierige Frage, ob ein Mensch seine Schuld jemals vollständig absitzen kann. Wer hauptsächlich wissen möchte, wann man beim Blackjack verdoppeln sollte, erhält nur begrenzte Unterstützung.
> Papillon USA · 1973 · 143 MIN. REGIE: FRANKLIN J. SCHAFFNER
- GENRE
- Gefängnisdrama · Abenteuer
- NACH DEM BUCH
- Henri Charrière
- MIT
- Steve McQueen · Dustin Hoffman · Victor Jory · Don Gordon · Anthony Zerbe
- MUSIK
- Jerry Goldsmith
Henri Charrière, genannt Papillon, wird wegen eines Mordes, den er bestreitet, in die französische Strafkolonie von Guyana deportiert. Dort soll nicht nur seine Freiheit verschwinden, sondern möglichst auch die Vorstellung, jemals wieder eine zu besitzen. Papillon hält beides für einen Irrtum. Gemeinsam mit dem Fälscher Louis Dega beginnt ein jahrelanger Kampf gegen Gefängnisse, Einzelhaft, Krankheit und die recht überzeugenden Argumente des Atlantischen Ozeans.
Papillon ist groß, langsam und körperlich. Steve McQueen und Dustin Hoffman spielen zwei sehr unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage: Was bleibt von einem Menschen, wenn ein System ihm Stück für Stück alles nimmt? Der eine hält sich an der Freiheit fest, der andere am Überleben. Ein Film aus einer Zeit, in der Hollywood für ein Abenteuer noch zweieinhalb Stunden, zwei große Schauspieler und eine beträchtliche Menge menschlichen Elends zur Verfügung stellte. Die Freiheit sieht danach jedenfalls weniger selbstverständlich aus.
> Der talentierte Mr. Ripley USA · 1999 · 133 MIN. REGIE: ANTHONY MINGHELLA
- ORIGINALTITEL
- The Talented Mr. Ripley
- GENRE
- Psychothriller · Drama
- DREHBUCH
- Anthony Minghella
- NACH DEM ROMAN
- Patricia Highsmith
- MIT
- Matt Damon · Jude Law · Gwyneth Paltrow · Cate Blanchett · Philip Seymour Hoffman
- AUSZEICHNUNGEN
- 5 Oscar-Nominierungen, darunter für Drehbuch und Jude Law als Nebendarsteller
Tom Ripley besitzt wenig Geld, aber ein bemerkenswertes Talent dafür, jemand anderes zu sein. Als er nach Italien geschickt wird, um den reichen Dickie Greenleaf zur Heimkehr zu bewegen, entdeckt er dort ein Leben voller Sonne, Jazz, Geld und selbstverständlicher Zugehörigkeit. Tom möchte bald nicht mehr nur daran teilhaben. Er möchte hinein.
Anthony Minghella macht daraus keinen gewöhnlichen Hochglanzthriller, sondern einen Film über Sehnsucht, soziale Herkunft und Identität. Matt Damon spielt Ripley so, dass man ihm unangenehm lange näher bleibt, als einem lieb sein kann: einsam, verletzlich, berechnend und zunehmend gefährlich. Dazu ein Italien, das so schön aussieht, dass man beinahe versteht, weshalb jemand dafür seine Identität verlieren könnte. Ein eleganter und beunruhigender Film über einen Menschen, der unbedingt jemand sein möchte – nur nicht er selbst.
> Melancholia DÄNEMARK / SCHWEDEN / FRANKREICH / DEUTSCHLAND · 2011 · 128 MIN. REGIE: LARS VON TRIER
- GENRE
- Drama · Science-Fiction
- DREHBUCH
- Lars von Trier
- MIT
- Kirsten Dunst · Charlotte Gainsbourg · Kiefer Sutherland · Alexander Skarsgård · Stellan Skarsgård · Charlotte Rampling · John Hurt
- AUSZEICHNUNGEN
- Kirsten Dunst erhielt in Cannes 2011 den Preis als beste Darstellerin.
Justine heiratet. Eigentlich ein Anlass zur Freude, doch während um sie herum alles für einen perfekten Abend arrangiert wurde, versinkt sie immer tiefer in einer Depression. Gleichzeitig nähert sich ein fremder Planet namens Melancholia der Erde. Angeblich wird er vorbeifliegen. Angeblich.
Lars von Trier verbindet das Ende der Welt mit einer sehr viel alltäglicheren Katastrophe: dem Verlust der Fähigkeit, an dieser Welt teilzunehmen. Das Ergebnis ist wunderschön, verstörend und von einer bemerkenswerten Ruhe. Während die psychisch Gesunden angesichts der wirklichen Apokalypse zunehmend den Halt verlieren, verändert sich Justine auf eigentümliche Weise. Ein Film über Depression, Angst und die Frage, was vom Menschen übrig bleibt, wenn es tatsächlich nichts mehr zu hoffen gibt. Kein besonders aufmunternder Filmabend. Aber möglicherweise einer, den man lange nicht vergisst.
> Volver – Zurückkehren SPANIEN · 2006 · CA. 121 MIN. REGIE: PEDRO ALMODÓVAR
- ORIGINALTITEL
- Volver
- GENRE
- Drama · Tragikomödie
- DREHBUCH
- Pedro Almodóvar
- MIT
- Penélope Cruz · Carmen Maura · Lola Dueñas · Blanca Portillo · Yohana Cobo
Raimunda lebt mit ihrer Tochter und ihrem ziemlich nutzlosen Ehemann in Madrid. Ihre Schwester Sole führt einen Friseursalon, die alte Tante lebt allein im Heimatdorf, und die verstorbene Mutter der beiden Schwestern scheint beschlossen zu haben, dass der eigene Tod kein hinreichender Grund ist, sich aus Familienangelegenheiten herauszuhalten. Während sich ein Problem nach dem anderen stapelt, erledigen die Frauen, was erledigt werden muss.
Pedro Almodóvar macht daraus gleichzeitig Familiendrama, Komödie, Geistergeschichte und Liebeserklärung an Frauen, die gelernt haben, auch mit den absurderen Zumutungen des Lebens fertigzuwerden. Penélope Cruz steht im Zentrum eines Films über Mütter, Töchter, Schuld, Geheimnisse und die bemerkenswerte Hartnäckigkeit der Vergangenheit. Dabei ist Volver farbenprächtig, warm und sehr lebendig – obwohl auffällig viele Tote darin vorkommen.
> Dick und Doof in der Fremdenlegion USA · 1939 · 66 MIN. REGIE: A. EDWARD SUTHERLAND
- ALTERNATIVTITEL
- Laurel & Hardy – Fliegende Teufelsbrüder
- ORIGINALTITEL
- The Flying Deuces
- GENRE
- Komödie
- DREHBUCH
- Ralph Spence · Harry Langdon · Charles Rogers · Alfred Schiller
- MIT
- Stan Laurel · Oliver Hardy · Jean Parker · Reginald Gardiner · James Finlayson
- BILD
- Schwarzweiß
Ollie verliebt sich während eines Parisurlaubs unglücklich, Stan steht ihm wie üblich bei, und über einige bemerkenswerte gedankliche Umwege landen beide in der Fremdenlegion. Dort trifft militärischer Drill auf zwei Menschen, die bereits mit dem geordneten Ablauf eines gewöhnlichen Tages nicht immer vollständig kompatibel sind.
1939 gedreht, funktioniert das erstaunlich gut: Laurel und Hardy zerlegen Autorität, Disziplin und männlichen Ernst nicht durch große Reden, sondern hauptsächlich dadurch, dass sie ihnen ausgesetzt werden. Hinter dem Slapstick liegt dabei eine eigentümliche Melancholie. Ein sehr alter Film über zwei hoffnungslos unzeitgemäße Männer – der möglicherweise gerade deshalb kaum gealtert ist.
KEINE FILME ENTSPRECHEN DER AKTUELLEN AUSWAHL.